DER PASSENDE WEIN ZUM WEIHNACHTSESSEN

Was Ihr bei der Wahl Eurer Weihnachtsweine beachten müsst

Eine Woche vor Weihnachten stellt man sich zu Recht die Frage, wie man den passenden Wein für die verschiedenen Weihnachtsmenüs aussucht. Ich möchte Euch in diesem Blog-Beitrag einige Tipps geben, welche Weine passen und worauf Ihr achten solltet.

 

Zuerst einmal würde ich Euch empfehlen, in dieser ganz besonderen Phase des Jahres nicht unbedingt am Wein zu sparen. Ihr feiert nur einmal im Jahr Weihnachten und da kann man ruhig etwas mehr ausgeben für einen hochwertigen Wein. Egal ob Ihr einen Wein als Mitbringsel sucht, oder ihn zu Hause mit Euren Liebsten genießen wollt, sollte es zu dieser Zeit des Jahres etwas Besonderes sein. Allerdings rate ich Euch davon, jetzt in den nächsten Supermarkt zu gehen und dort den teuersten Wein zu kaufen. In der Regel ist der teuerste Wein weder der Beste Wein, noch einer der Euch schmeckt. Mein Tipp: geht zu eurem Weinhändler des Vertrauens, schreibt Eurem Winzer eine Mail oder schaut Euch auf im Internet um - gerne natürlich auch auf meinem Weinshop.

Was versteht man unter hochwertigen Weinen? Zusammengefasst sind das Weine bei denen Aroma und Geschmack intensiv, komplex und harmonisch sind und die einen langen, angenehmen Abgang haben. Auf welche Weine das zutrifft, könnt Ihr leider erst beim Probieren der Weine herausfinden, daher mein Tipp mit dem Fachhändler, der Euch in der Regel gerne Weine probieren lässt. Alleine auf das Etikett zu achten bringt wenig, es ist lediglich ein Zeichen dafür, wie viel Geld der Winzer in das Marketing für seinen Wein investiert hat.

 

Was Ihr Euren Winzer, Fachhändler oder Online-Weinhändler fragen solltet ist, wie hoch der Ertrag bei der Ernte ist. Der Ertrag ist ein relativ deutliches Qualitätsmerkmal für Weine: je geringer der Ertrag, desto höher die Qualität. Bei Weinen unter 50 Hektolitern pro Hektar habt ihr schon einen sehr guten Wein, bei unter 35 Hektolitern pro Hektar habt ihr einen außergewöhnlichen Wein. Diese Grenze gilt zum Beispiel für die Großen Gewächse des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter).

 

Ich achte persönlich auch darauf, dass die Weine möglichst per Hand gelesen werden, besser noch in mehreren selektiven Lesegängen. Gute Leseteams können wesentlich besser darauf achten, dass nur reife Trauben geerntet werden, als das Maschinen können. Bei einer selektiven Ernte werden nicht alle Trauben gleichzeitig gelesen - über einen Zeitraum von einigen Tagen bis zu zwei Wochen gehen die Erntehelfer mehrfach durch den Weinberg und lesen nur die Trauben, die auf den Punkt reif sind. Das macht den Wein teurer, aber gibt ihm wesentlich aromatischere, weichere und komplexere Aromen.

 

Ein hochwertiger Wein darf auch gerne länger gereift sein – das gilt übrigens auch für Weißweine. Meiner Meinung nach werden 90% der guten deutschen Weine viel zu früh getrunken. Ein Wein braucht Zeit damit er sich richtig entfalten kann und sich die verschiedenen Komponenten des Weines zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk vereinen. Darüber hinaus gibt es gerade bei Weinen aus Bordeaux, dem Burgund und den besten italienischen Weinregionen trotz Klimawandel Jahrgänge, die deutlich besser sind als andere. Dafür wie alt der Wein sein soll, gibt es keine Faustregel. Der Winzer oder Händler weiß in der Regel, wie gut sich der Wein schon entwickelt hat. Leider lagern nur wenige deutsche Winzer ihre Weine so lange, dass sie bei Verkauf schon auf Ihrem Reife-Höhepunkt sind.

 

Wenn ich von hochwertigen Weinen spreche, spreche ich nicht automatisch von italienischen und französischen Weinen. Bei den Weißweinen gehören die deutschen Weine schon lange zur Weltspitze. Aber auch deutsche Rotweine brauchen mittlerweile den Vergleich mit den besten der Welt nicht mehr scheuen. Das gilt insbesondere für Spätburgunder, aber zunehmend auch für Merlot Weine. Darüber hinaus gibt es herausragende Lemberger und Trollinger, die sehr gut zu Weihnachtsmenüs passen.

 

Welche Rebsorten und Regionen ihr für Euer Weihnachtsessen auswählt, hängt vor allem von Eurem Geschmack ab, in zweite Linie von dem welche Speisen Ihr Weihnachten esst. Hier einige Tipps für die typischsten Weihnachtsgerichte:

Der passende Wein zu Kartoffelsalat mit Würstchen

Kartoffelsalat mit Würstchen ist ein sehr leckeres und praktisches Gericht für Heiligabend – immerhin ist es der absolute Spitzenreiter der Gerichte für den 24. Dezember in Deutschland. Dazu muss man nicht unbedingt ein 100€ Premium-Wein servieren, aber ich würde auch keinen billigen Supermarktwein empfehlen. Greift auf jeden Fall zu einem trockenen Weißwein für dieses Gericht. Am besten geeignet ist ein Grauburgunder oder Chardonnay aus dem Edelstahlfass, gerne aus Baden, der Pfalz oder Rheinhessen. Zum Kartoffelsalat mit Majonäse könnt ihr auch einen Riesling von der Mosel oder einen Silvaner aus Franken servieren – die Säure des Weines ist ein schöner Kontrast zum Fett in der Majonäse. Zum Kartoffelsalat mit Essig würde ich einen Wein mit weniger Säure auswählen, ein Grauburgunder oder Weißburgunder wäre die richtige Wahl. Dieser kann auch gerne gereift sein, aber möglichst ohne oder nur mit leichtem Einfluss des Barrique-Fasses. Wer dazu lieber einen Rotweinen trinken möchte, sollte einen leichten Spätburgunder, einen Frühburgunder oder einen St. Laurent auswählen.

Der passende Wein zur Weihnachtsente oder zur Weihnachtsgans mit Klößen und Rotkohl

Der Wein zur Ente oder Gans muss mit dem kräftigen Geschmack des Gerichts mithalten können. Wichtig ist dabei, dass der Wein nicht nur zum Fleisch, sondern vor allem zur Soße passt. Mein Lieblingswein zu Weihnachtsgans oder Weihnachtsente ist ein guter, längere Zeit im Holzfass gereifter Spätburgunder eines VDP Winzers – gerne auch ein großes Gewächs – von der Ahr, aus der Pfalz oder aus Baden. Genauso gut passt auch ein Burgunderwein, zur Ente auch ein Wein aus der südlichen Rhône. Wenn die Soße sehr kräftig und intensiv ist – zum Beispiel mit Maronen oder Pilzen – kann man auch einen italienischen Spitzenweine wählen: sowohl Barolo, als auch ein schöner Brunello oder Vino Nobile di Montepulciano passen in diesem Fall. Wenn die Soße oder die Füllung eine fruchtige Komponente wie Bratäpfel, Orangen oder Beeren haben, würde ich eher einen kräftigen Weißwein empfehlen. Eine gereifte trockene Riesling Spätlese von der Mosel oder aus dem Rheingau passen dann genauso gut wie ein kräftiger Grauburgunder aus der Pfalz. Wenn die Fruchtkomponente eine tragende Rolle im Essen spielt, kann man sich ruhig trauen, einen feinherben Riesling oder Grauburgunder zu servieren.

Der passende Wein zu Raclette oder Käse-Fondue

Beim Raclette oder Käse-Fondue braucht Ihr einen Wein, der kräftig genug ist mit dem Käse mitzuhalten, der durchaus eine ordentliche Säure haben kann um das Fett im Käse zu balancieren und der nicht zu viel Tannine hat. Der Klassiker ist natürlich ein schweizerischer Wein, insbesondere ein Fendant beziehungsweise Chasselas. Ich trinke dazu auch gerne einen längere Zeit gereiften Spätburgunder, der nicht zu intensive Eichenaromen hat. Ihr könnt entweder einen Spätburgunder aus dem Burgund wählen, einen aus deutschen Weinregionen (Ahr, Assmannshausen im Rheingau, der Pfalz oder Baden) oder einen aus guten kalifornischen Weinregionen (Napa Valley, Mendocino, Sonoma). Alternativ kann man auch einen guten Chardonnay aus dem Burgund trinken. Für jene die keine Fassaromen mögen, ist ein hochwertiger Grauburgunder oder ein länger gereifter Riesling von Alten Reben eine gute Alternative.

Der passende Wein zum Fleisch-Fondue

Die Wahl des passenden Weins zum Fondue fällt nicht leicht. Insbesondere weil der Reiz eines Fondues ja die Vielfalt der verschiedenen Fleischsorten und die unterschiedlichen selbstgemachten Soßen sind. Daher würde ich zum Fondue einen Allrounder empfehlen. Ein hochwertiger Merlot aus der Pfalz, eine gute Cuvée von Merlot, Cabernet Sauvignon und Spätburgunder aus Rheinhessen oder ein Premium-Lemberger aus Württemberg wären hier eine gute Wahl. Auf Grund der Süße in den meisten Soßen würde ich einen Wein mit einer leichten Fruchtigkeit empfehlen und mit nicht zu viel erdigen Noten. Ich würde beim Fondue eher zum Shiraz aus Australien oder Merlot aus Nappa-Valley greifen, als zu einem Bordeaux oder Barolo. Auch ein österreichischer Blaufränkich kann gut passen, er muss aber lange genug gereift sein, damit er schön weiche Tannine hat. Für die Weißweinfans kann man auch gerne einen kräftigen, gereiften Grauburgunder oder Chardonnay servieren, gerne von Alten Reben, aber möglichst mit nicht zu starkem Einfluss vom Barrique-Faß.

Gerade für ein schönes Weihnachtsessen empfehle ich Euch, zu jedem Gang einen neuen Wein aufzumachen. Es gibt keinen Wein, der sowohl zum Salat, der Suppe, dem Braten und dem Dessert passt. Außerdem isst man an den Feiertagen ja in der Regel im größerem Kreis, sodass man ohne Probleme bei jedem Gang eine oder einige neue Flaschen öffnen kann. Sehr interessant ist es, zu jedem Gang zwei verschiedene Weine aufzumachen. So kommen sowohl die Weißwein-, als auch die Rotweinfans zu ihrem Genuss. Vergesst auf keinen Fall für das Dessert oder die späten Stunden nach dem Essen einen guten Dessertwein einzukaufen.

 

Viele Teilnehmer meiner Weinseminare trinken bei mir zum ersten Mal in ihrem einen richtigen Dessertwein- und sind begeistert. Bei „Dessertwein“ denken viele Menschen an einen pappsüßen Wein, ohne jegliche Struktur und Raffinesse. Natürlich muss ein Dessertwein süß sein – die Faustregel ist, dass der Dessertwein süßer sein muss als das Dessert. Aber eine gute Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese oder ein guter Eiswein haben eine unglaubliche Komplexität, Ausdruckskraft und Intensität. Sie leben von der perfekten Harmonie von Süße, Säure, Körper und vielfältigen Aromen von tropischen und getrockneten Früchten, oft mit einem deutlichen Eindruck von Honig. Leider sind gute Dessertweine nie günstig, aber Sie sind auf jeden Fall ihr Geld wert – und auf Grund Ihrer Süße und Intensität muss man nicht viel von ihnen trinken.

 

Ich hoffe ich habe Euch ein bisschen bei der Wahl des richtigen Weihnachtsweines geholfen. Ich würde mich freuen, über Eure Kommentare und Weihnachtsweinerfahrungen zu lesen. Gerne könnt ihr in meinem Webshop nach den passenden Weinen suchen. Vielleicht sehe ich ja auch den ein oder anderen bei einem meiner Weinseminare. Für diejenigen die noch ein Weihnachts-Geschenk suchen – bis kurz vor Weihnachten kann ich Euch noch Gutscheine für Weinseminare zuschicken.


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