Der Winzerkalender: März

Willkommen zum zweiten Blogbeitrag in der Reihe ‚ Winzerkalender‘. Mit dem 1. März, als meteorologischer Frühlingsanfang, wird der Frühling eingeläutet und darauf müssen wir uns auch im Weinbau einrichten. Bald werden die ersten Pflanzen anfangen zu sprießen und auch die Rebe erwacht aus ihrem Winterschlaf. Im Februar haben die meisten Winzer den Rebschnitt abgeschlossen, den ich im Blogbeitrag ‚Winzerkalender Februar‘ erklärt habe. Im März folgte der nächste Arbeitsschritt im Weinberg den ich Euch diesen Monat vorstelle: das Binden und Biegen.

Das Biegen und Binden der Rebe

Einzelpfahlerziehung an der Mosel
Einzelpfahlerziehung an der Mosel

Wie wir im letzten Blogbeitrag gelernt haben, werden beim Winterschnitt die meisten Triebe aus dem Vorjahr abgeschnitten und nur 1-2 Triebe bleiben stehen. Ziel ist es, frische Triebe auf dem Zweigen des letzten Jahres zu erhalten, aus denen dann hochwertige und gesunde Trauben wachsen – das Prinzip ‚einjähriges auf zweijähriges Holz‘, dass ich im letzten Blogbeitrag vorgestellt habe. Nach dem Rebschnitt (der auch noch bis zum März dauern kann) werden diese stehengebliebenen Triebe, auch Ruten genannt, auf das Drahtgerüst gebogen und angebunden. Aus diesenTrieben sprießt es dann bald und neue Triebe wachsen in die Höhe. In der Regel werden bei jenen Reben die hohe Erträge bringen sollen, also viel Wein zu durchschnittlichen Qualitäten, zwei Ruten stehen gelassen. Bei Weinbergen auf denen hochwertige Weine gemacht werden sollen, wird in der Regel nur eine Rute stehen gelassen. Im Weinbau gilt, dass die Qualität höher ist, wenn weniger Weintrauben an der Rebe hängt, man spricht von Ertragsreduzierung.

Rebenerziehung 'Trierer Rad' an der Mosel
Rebenerziehung 'Trierer Rad' an der Mosel

Da die Rebe eine rankende Pflanze ist, benötigt sie eine Vorrichtung als Unterstützung. Diesem Zweck dient das Drahtgerüst. Mit dieser Vorrichtung wird die Rebe „erzogen“, das heißt wir geben ihr die Richtung und Art wie sie wächst vor. Je nach Lage des Weinberges, Tradition der Weinbauregion und Philosophie des Winzers wird eine andere Form der Erziehung gewählt. Im Weinbau gibt es viele verschiedene Erziehungssysteme, die auch regionale Hintergründe haben, wie z.B. das Trierer-Rad oder die Moselpfahlerziehung. Diese beiden Erziehungsformen werden bei Neupflanzungen aber nur noch selten verwendet, daher stelle ich euch hier die wichtigsten und aktuellsten Erziehungsformen vor.

1. Spaliererziehung

Abbildung 1: Spaliererziehungsformen: a) Flachbogen, b) Halbbogen, c) Pendelbogen. Quelle: Der Winzer, Müller et. al. (2008)
Abbildung 1: Spaliererziehungsformen: a) Flachbogen, b) Halbbogen, c) Pendelbogen. Quelle: Der Winzer, Müller et. al. (2008)

Die Spaliererziehung ist die meist verbreitete Erziehungsform in Deutschland. Bei dieser Erziehungsform ist die Mechanisierung mit Traktoren und die Durchführung einer maschinellen Lese gut möglich, dadurch wird viel Arbeitszeit gespart. Es werden drei Varianten der Spaliererziehung unterschieden:

 

a) Flachbogen

Bei der Flachbogenerziehung wird die Rute gerade auf dem Draht angebunden (siehe Abbildung 1 a). Dafür ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn das Biegen direkt auf den Draht verlangt der Biegekraft der Rute einiges ab. Vorteil dieses Erziehungssystems ist, dass die frischen Triebe die später aus der Rute wachsen, alle ähnlich hoch werden und gleichmäßig wachsen. Wenn die Trauben reifen und geerntet werden, liegen sie alle auf einer Höhe, dadurch wird die Bearbeitung und Lese erleichtert. Der Flachbogen wird vor allem für sehr hochwertige Weine verwendet, da auf den Flachbögen weniger Platz für Triebe ist als auf den Halb- oder Pendelbogen und damit die Erträge sehr niedrig bleiben.

b) Halbbogen

Beim Halbbogen werden die Ruten in einem flachen Halbkreis gebogen, der am Ende relativ gerade ausläuft. Für das Biegen zum Halbbogen müssen zwei Drähte vorhanden sein, die in einem gewissen Abstand übereinanderliegen. Die Rute wird über den oberen auf den unteren Draht hinunter gebogen. Aufgrund der leichten Biegung des Bogens, ist die Bruchgefahr der Rute geringer und die Laubwand der Triebe wird auf Grund der unterschiedlichen Höhe etwas aufgelockert. Die Zone, in der die Trauben sich dann befinden, ist nicht so vollgepackt und Krankheiten haben es etwas schwerer sich auszubreiten.

c) Pendelbogen

Die Erziehungsform zum Pendelbogen ähnelt der des Halbbogens, jedoch ist der Abstand der zwei Drähte, über die der Trieb gebogen wird, größer. Beim Pendelbogen wachsen die frischen Triebe – und somit später auch die Trauben –auf einer unterschiedlichen Höhe. Auch bei dieser Erziehungsform wird die Gefahr von Krankheiten reduziert. Darüber hinaus ermöglicht diese Erziehungsform höhere Erträge, also mehr Wein, führt aber in der Regel zu geringeren Qualitäten.

2. Kordon-Erziehung

Die Erziehung im Kordon-Schnitt ähnelt der Spaliererziehung. Bei dieser Variante wird die Rute ebenfalls an den Draht gebogen, jedoch wird beim Winterrebschnitt diese Rute nicht weggeschnitten, sondern am Draht belassen. Die Rute wird über mehrere Jahre genutzt und wird immer dicker und verholzter.. Um dem wichtigen Prinzip ‚einjähriges Holz auf zweijähriges Holz‘ auch bei mehrere Jahren alten Kordons zu folgen, werden aus Trieben des vorherigen Jahres sehr kurze Sporne stehen gelassen. Die neuen Triebe wachsen aus diesen Spornen, die auf dem über die Jahre gereiften Holz stehen. Diese Erziehungsform wird oft bei stark wüchsigen Rebsorten genutzt (zum Beispiel Müller Thurgau und Dornfelder), da die Kordon-Erziehung die Wuchskraft der Triebe und somit auch der Laubwand minimiert.

3. Minimalschnitterziehung

Die aus Australien stammende Erziehung im Minimalschnitt gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bei der Minimalschnitterziehung werden die Triebe kaum gekürzt und nicht angebunden, stattdessen lässt man sich die Rebe selber regulieren. Während die Reben in den ersten Jahren zu viel wachsen und zu viele Trauben ausbilden – was zu Lasten der Qualität geht – reguliert sich das Wachstum nach wenigen Jahren. Durch die Selbstregierung der Rebe kann der Arbeitsaufwand stark reduziert werden. Dieses Erziehungssystem bildet im voll ausgebildeten Zustand eine kompakte „Rebenhecken“ mit vielen recht kleinen Trauben von ordentlicher Qualität aus. Für hochwertige Weine ist die Erziehungsform nicht geeignet, aber sehr wohl für Einstiegsqualitäten. Ihr Vorteil ist, dass fast alle Arbeiten an der Rebe maschinell durchgeführt werden können, auch die Ernte – dadurch werden Kosten gespart. Allerdings ist die Minimalschnitterziehung anfälliger für Rebkrankheiten, insbesondere für Schimmelpilze, und hat insbesondere im feuchten Frühling und Frühsommer 2016 viele Problem verursacht. Bisher wird diese Erziehungsform in Deutschland von einigen Winzern nur probeweise ausprobiert, ob es sich in Deutschland durchsetzen wird ist noch unklar.

 

Jede Erziehungsform hat ihre Vor- und Nachteile und somit gibt es nicht die ideale Erziehungsform. Es gibt Winzer, die verschiedene Erziehungsformen in ihren Weinbergen nutzen. Bei einem Spaziergang durch die Weinberge könnt ihr die Vielfalt an Erziehungssystemen gut beobachten. Schaut euch die Weinberge bei Eurem nächsten Besuch im Weinberg ruhig mal genauer an und berichtet auf diesem Blog, was ihr gefunden habt.


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