Welcher Wein ist hochwertiger: Eine Cuvée oder ein Wein aus nur einer Rebsorte?

Immer wieder werde ich bei Weinseminaren gefragt, ob eine Weincuvée minderwertiger ist als ein Wein aus nur einer Rebsorte, oder ob es anders herum ist. Wie bei so vielen Fragen fällt es mir schwer, darauf eine Antwort in einem Satz zu geben. Daher möchte ich diesen Blogbeitrag nutzen, um etwas ausführlicher auf das Thema einzugehen.

 

Früher waren die meisten Weine Cuvées, also eine Mischung aus verschiedenen Rebsorten. Einerseits wussten viele Winzer vor einigen Jahrhunderten gar nicht was für Rebsorten auf ihren Weinbergen standen. Auf demselben Weinberg wuchsen oft verschiedenste Rebsorten gemischt im selben Weinberg. Bei einigen Rebsorten ermöglichte erst die moderne Genetik, die unterschiedlichen Rebsorten auseinanderzuhalten.

Andererseits war die Kombination verschiedener Rebsorten in einem Wein auch eine gute Absicherung gegen wechselnde Wetterverhältnisse. Rebsorten werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif, brauchen verschiedene Mengen an Sonneneinstrahlung und unterscheiden sich in der Anfälligkeit für Pilz- und andere Krankheiten. Je nachdem ob es ein kühles, regenreiches, sonniges oder warmes Jahr ist, werden unterschiedliche Rebsorten reif. Wenn man verschieden Rebsorten in seinen Weinbergen stehen hat, wird zumindest ein Teil dieser Rebsorten reif, während andere verfaulen, zu früh reifen oder unreif bleiben. Daher haben sich in Regionen die sehr wetteranfällig sind, wie Bordeaux, die Weine aus verschiedenen Jahrgängen früher wesentlich stärker voneinander unterschieden, nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Zusammensetzung der Rebsorten.

In Regionen in denen Cuvées eine große Tradition haben ist man auch überzeugt, dass sich durch die Kombination von verschiedenen Rebsorten komplexere und harmonischere Weine erzeugen lassen. Eine gute Cuvée soll ein Gesamtkunstwerk sein, bei dem das Ganze mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. In Bordeaux ist beispielsweise die Rebsorte Cabernet Sauvignon für die Tannine und Struktur des Weines zuständig, der Merlot für den Alkohol und ein weicheres Mundgefühl des Weines, während der Cabernet Franc vor allem Fruchtaromen und weiche Tannine beisteuert.

Es gibt auch einen wichtigen wirtschaftlichen Grund, warum viele Kellereien Cuvées herstellen: durch Zugabe von nur 15% Riesling zu einem Müller-Thurgau oder von 15% Spätburgunder zu einem Dornfelder, kann man den Wein deutlich aufwerten, ohne allzu viel von der teureren Rebsorte verwendet zu haben. Dies spielt insbesondere bei günstigeren Massenweine eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu wissen, dass selbst wenn eine Rebsorte auf dem Etikett steht, diese nicht zu 100% enthalten sein muss. Bei Weinen von geringerer Qualität – Weine die nicht mindestens Qualitätsweine (Deutschland), AOP oder AOC Weine (Frankreich), DOC oder DOCG Weine (Italien) beziehungsweise DO oder DOCa (Spanien) sind – muss nur 85% von der Rebsorte stammen, die auf dem Etikett angegeben ist. Somit hat man es bei vielen der günstigeren Massenweinen automatisch mit Cuvées zu tun.

In den Regionen wo Weine in der Regel aus nur einer Rebsorte bestehen – Deutschland, Burgund, Piemont – hat sich im Laufe der Zeit eine Rebsorte als die hochwertigere herausgestellt. So sind Weine aus Riesling und Spätburgunder deutlich hochwertiger und teuer, als Weine aus Müller-Thurgau und Dornfelder. In Deutschland war die Entwicklung hin zum Riesling historisch vor allem dadurch bedingt, dass Weine aus Rieslingtrauben deutlich hochwertiger waren als jene aus dem weißen Heunisch, der im Mittelalter die meistgepflanzte Rebsorte in Deutschland war. Um den Winzern das wirtschaftliche Überleben zu erleichtern – und um von höheren Steuern zu profitieren – verabschiedeten viele Fürsten und Grafen in den Weinregionen Erlasse, dass alte Reben herauszureißen und mit neuen Rieslingreben zu ersetzen sind. Der Herrscher des Ahrtals war ein großes Fan der Spätburgundertraube, daher hat er die Weinberge im Ahrtal mit dieser Rebsorte bestücken lassen.

Streng genommen sind aber auch Weine aus nur einer Rebsorte eine Cuvée: Auch bei einem ‚reinen‘ Riesling werden in der Regel Weine von verschiedenen Weinbergen verschnitten, die jeweils unterschiedlich schmecken und somit zur Komplexität und Vielfalt des Weines beitragen. Einige Winzer kombinieren auch Weine von derselben Rebsorte, die im Keller unterschiedlich behandelt wurden. So wird bei Weißweinen mittlerweile oft ein kleiner Teil von in Holztanks gelagertem Wein zum Wein der im Edelstahltank gereift ist hinzugegeben. Dadurch gewinnt der Wein und Kraft und Komplexität, ohne dass zu intensive Holznoten im Wein wahrnehmbar sind. Selbst Weine die aus demselben Weinberg beziehungsweise derselben Lage stammen, aber in verschiedenen Holzfässern lagern, entwickeln sich unterschiedlich und werden am Ende der Reifung wieder zu einem harmonischen Wein zusammengefügt. Wenn es sich um Weine aus derselben Rebsorte handelt, werden diese Weine aber nicht als Cuvée bezeichnet.

Ob in einer Region eher Cuvées oder reinsortige Weine dominieren ist in erster Linie eine Frage der Weinbautradition. Daher möchte ich nachfolgend einen Überblick über die wichtigsten Weincuvées geben:

In Frankreich spielen Weincuvées eine zentrale Rolle

Die wohl bekanntesten Weincuvées der Welt stammen aus Bordeaux. Aufgrund des oft feuchten und kühlen Wetters und der Gefahr von Spätfrösten im Frühling wurden hier traditionell viele verschiedene Rebsorten angepflanzt. So kann man sichergehen, dass man in jedem Jahr genügend reife Trauben erntet. Mittlerweile spielen Merlot und Cabernet Sauvignon, sowie mit etwas Abstand Cabernet France die wichtigste Rolle. Auf der linken Seite des Garonne und des Gironde Flusses gibt es viele Kieselsteine im Boden, die lange Zeit die Wärme halten können. Daher dominiert hier die spät reifende Rebsorte Cabernet Sauvignon. Auf der rechten Seite der Dordogne, wo vor allem kühlere Lehmböden vorkommen, spielt der früher reifende Merlot die wichtigste Rolle, sowie Cabernet France. Weitere Rebsorten die in roten Bordeaux Cuvées zu finden sind, sind Petit Verdot, Malbec und Carménère. Bei weißen Bordeaux Cuvées spielen Sauvignon Blanc und Sémillon eine wichtigste Rolle, manchmal enthalten sie auch Muscadelle, Ugni Blanc oder Colombard Trauben. Die Assemblage, also die Vermählung der verschiedenen Rebsorten zu einer Cuvée spielt eine enorm wichtige Rolle in den großen Châteaus. Da die Weine aus den jeweiligen Trauben jedes Jahr anders schmecken, ändert sich der Anteil der einzelnen Rebsorten bei den meisten Weingütern von Jahrgang zu Jahrgang. Die richtige Balance zu finden, ist eine der größten Herausforderungen für den Kellermeister.

Die zweite französische Weinregion in der Cuvées eine essentielle Rolle spielen ist das südliche Rhônetal. Zwar ist diese Region weniger anfällig für Wetterkapriolen wie das Bordeaux, trotzdem werden hier traditionell viele verschiedene Rebsorten verwendet. In den meisten Unterregionen der Rhône sind sogar 13 verschiedene Rebsorten zugelassen. Die wichtigste Rolle spielen Syrah und Grenache, weitere relevante Rebsorten sind Mourvèdre, Carignan und Cinsault. Eine Besonderheit der Rhône ist, dass in vielen Weinbauregionen die Rotweincuvées bis zu 20% aus der weißen Rebsorte Viognier bestehen dürfen, die dem Wein dann eine leicht parfumartige Note verleiht. Bei den Weißweincuvées werden neben Viognier die Rebsorten Grenache Blanc, Clairette Blanche, Marsanne und Roussanne verwendet.

Im Vergleich zu den anderen wichtigen Weinbauregionen Frankreichs werden im Burgund weniger Cuvées hergestellt. Hier dominieren reinsortige Weine aus Spätburgunder und Chardonnay, darüber hinaus gibt es Rotweine aus Gamay und Weißweine aus Aligoté Trauben. Bei den günstigeren Weinen findet man aber auch Cuvées aus Gamay und Spätburgunder.

 

Auch an der Loire spielen Cuvées eine geringe Rolle als in Bordeaux und an der Rhône, aber sie kommen durchaus vor. Die häufigsten Weine an der Loire sind reine Weißweine aus Sauvignon Blanc, Chenin Blanc und Melon Blanc (Muscadet) sowie Rotweine von Cabernet Franc Reben. Aber man findet auch durchaus Weißweincuvées aus Sauvignon Blanc und Chenin Blanc Trauben.

 

In den zahlreichen anderen Weinbauregionen Frankreichs spielten historisch Cuvées aus verschiedenen autochthonen – also in dieser Region heimischen Rebsorten – eine wichtige Rolle. Der Trend, insbesondere bei günstigen Massenweinen aus Pays d’Oc und anderen Regionen im Süden Frankreichs, geht in Richtung sortenreiner Weine aus den bekannten Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Der Grund dafür ist wohl, dass sich mehr Kunden unter einer bekannten Rebsorte etwas vorstellen können, als unter einer Weinanbauregion.

Die Bedeutung von Cuvées in Italien ist hoch, sinkt aber

In den unzähligen italienischen Weinregionen gibt es sehr viele verschiedene Rebsorten die zum Einsatz kommen. Traditionell sind die meisten Weine Cuvées, aber wie in den meisten Weinregionen weltweit geht der Trend zu mehr sortenreinen Weinen und zu mehr international bekannten Rebsorten, die insbesondere für den Export eine steigende Rolle spielen.

In der Toskana, vor allem bekannt durch Chianti, Chianti Classico und Brunello di Montalcino, spielt die Rebsorte Sangiovese eine zentrale Rolle. Während die Brunello zu 100% aus Sangiovese bestehen müssen, sind die meisten Chianti und Chianti Classico Cuvées, denn der Anteil des Sangiovese muss nur 70% betragen. Der Rest des Weines setzt sich in der Regel aus mindestens 3 anderen autochthonen oder internationalen Rebsorten zusammen, wie Cannaiolo Nero, Colorino und Ciliegiolo sowie Cabernet Sauvignon und Merlot. Es dürfen aber auch bis zu 10% weiße Rebsorten in die Cuvée einfließen, vor allem aus Trebbiano oder Malvasia Trauben.

 

Im Piemont im Nordosten Italiens spielen sortenreine Weine die mit Abstand wichtigste Rolle, und das nicht erst seit kurzem. Der weiße Asti besteht zu 100% aus Muskateller Trauben, der Gavi zu 100% aus Cortese (weiß), der Barolo und der Barbaresco zu 100% aus Nebbiolo und der Dolcetto d’Alba zu 100% aus Dolcetto. Lediglich beim Barbera d’Asti müssen lediglich 85% des Weines aus Barbera Trauben bestehen, die restlichen 15% dürfen sich aus Freisa, Grignolino und Dolcetto Trauben zusammensetzen. Es ist schwer zu beantworten, warum Cuvées hier eine deutlich geringere Rolle spielen als im Rest Italiens. Vermutlich liegt es daran, dass Barolo Weine aus reinen Nebbiolo Trauben in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den Lieblingsweinen des Königshauses Savoyen und als ‚Wein der Könige und König der Weine‘ in der ganzen Welt bekannt und beliebt wurde. Der reine, unverfälschte Geschmack einer Rebsorte wurde damit im Piemont zu einem wichtigen Qualitätsmerkmal. Der Barbaressco folgte als reiner Nebbiolo Wein, während für andere Anlässe oder Geschmäcker die Dolcetto, Barbera, Asti und Gavi Weine beliebt waren.

 

Die bekanntesten Weine aus dem Nordosten Italiens – Venetien, Trentino, Südtirol, Friaul – sind Weißweine, obwohl auch Rotweine eine wichtige Rolle spielen. Historisch waren auch hier die allermeisten Weine Cuvées. Sehr hochwertige Weißweincuvées, die in Deutschland kaum bekannt sind, sind die Collio Bianco Weine aus dem östlichen Friaul. Die Winzer dürfen hier aus 12 Rebsorten wählen und müssen die Zusammensetzung nicht auf dem Etikett angeben. Jeder Winzer kann dabei seine eigene Vorstellung eines idealen Weißweines umsetzen. Der Kunde muss sich aber dem Winzer anvertrauen: wie der Wein schmeckt wird er kaum Anhand des Etiketts feststellen. Bei einem sortenreinen Sauvignon Blanc aus dem Friaul kann er demgegenüber eine recht klare Vorstellung des Geschmacks haben. Dies ist wohl auch der wichtigste Grund, warum im gesamten Nordosten ein starker Trend hin zu reinsortigen Weinen zu beobachten ist. Bei den Weißweinen spielen im Südtirol Weißburgunder, Riesling, Gewürztraminer, Grauburgunder und Chardonnay eine zentrale Rolle, in Trentino vor allem Grauburgunder, immer öfter aber auch Sauvignon Blanc und Chardonnay, im Friaul Grauburgunder und Friulano, in Venetien ist es vor allem der Garganega, aus dem der beliebte Soave Wein zu 100% bestehen muss. Bei den Rotweinen spielen Cuvées noch eine größere Rolle. Die Rebsorten die in die Cuvées des Nordostens Italiens eingehen sind größtenteils autochthone Rebsorten, die in Deutschland wenig bekannt sind, wie Schiava, Lagrein, Teroldego, Marzemino, Corvinone, Rondinella und Molinara, aber auch internationale Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

Im Süden Italiens, vor allem in Sizilien, Kalabrien, Apulien und Kampanien, spielen vor allem autochthone Rebsorten eine zentrale Rolle, in der Regel kombiniert in Rotweincuvées. In Apulien spielt der Castel del Monte eine wichtige Rolle, in Kalabrien Gaglioppo, Nero d’Avola, Barbera und internationale Rebsorten, in Kampanien Aglianico, Barbera und Sangiovese und in Sizilien Nero d’Avola, Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon. Als rebsortenreine Weine erfreuen sich vor allem Primitivo in Apulien und Nero d’Avola in Sizilien, immer mehr auch Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot in Sizilien steigender Beliebtheit. Der Marktanteil dieser rebsortenreinen Weine wird wohl insbesondere in Sizilien – Italiens größtem Weinanbaugebiet – weiter wachsen.

 

Weincuvées in Spanien und Portugal

In Spanien gilt der Tempranillo als hochwertigste und edelste Rebsorte. Zwar findet man immer mehr rebsortenreine Tempranillo aus Ribera del Duero, Rueda und La Mancha. Aber die meisten, bedeutendsten und bekanntesten Rotweine aus Tempranillo Trauben sind Cuvées, in denen auch andere Rebsorten eine wichtige Rolle spielen. Allen voran gilt dies für Rioja, wo die meisten Weine neben Tempranillo auch Garnacha, Mazuelo und Graciano Trauben enthalten. Viele traditionelle Cuvées in anderen Regionen Spaniens enthalten neben Tempranillo Trauben auch Garnacha, Monastrell, Graciano, Carignan und Menciá. Bei Weißweinen spielen der Verdejo und der Albarino eine wichtige Rolle, beide findet man sowohl als reinsortige Weine, als auch in Cuvées mit anderen der 170 in Spanien zugelassenen Rebsorten. Aber auch in Spanien steigt die Bedeutung von rebsortenreinen Weinen aus den internationalen Rebsorten, allen voran Cabernet Sauvignon, Merlot, Sauvignon Blanc und Chardonnay.

 

Portugal dagegen sträubt sich bisher sehr erfolgreich gegen den Trend den Weinbau auf wenige internationale Rebsorten zu begrenzen und Weine nur noch rebsortenrein auszubauen. Es gibt wohl kein Weinland, in dem Cuvées aus verschiedenen autochthonen Rebsorten eine so wichtige Rolle spielen wie in Portugal. Es gibt über 500 autochthone Rebsorten, von denen viele nach wie vor eine große Bedeutung für die regionalen Weine spielen. Die wichtigsten roten Rebsorten sind Touriga Nacional, Touriga Francesca, Tinta Roriz, Baga, Castelao, Alfrocheiro, Trincadeira, Jaen, Tinta Cao und Tinta Barroca. Da viele Winzer gar nicht wissen, wie hoch der Anteil der einzelnen Rebsorten ist, gibt es keine genauen Statistiken. Nicht hilfreich in dieser Hinsicht ist, dass auf einzelnen Weinbergen immer noch verschiedene Rebsorten durcheinander gemischt stehen, was auch die Pflege der Reben und die Ernte nicht vereinfacht. Während der Weinbau in Portugal in einem großen Umbruch begriffen ist und modernisiert wird, werden die Cuvées aus autochthonen Rebsorten nicht aufgegeben, sondern zu noch hochwertigeren Weinen ausgebaut und international vermarktet. Auch die meisten Weißweine sind Cuvées aus verschiedenen Rebsorten. Das wohl bekannteste Beispiel ist Vino Verde, der unter anderem aus Verdejo Trauben gekeltert wird.

In der neuen Welt dominieren rebsortenreine Weine

In den USA, Argentinien, Chile, Südafrika, Australien und Neuseeland, allgemein auch als Neue Welt bezeichnet, dominieren Weine aus nur einer Rebsorte. Im Gegensatz zu den Weinen Europas – der Alten Welt – haben sich hier nur wenige bekannte Weinbauregionen herausgebildet, die für eine bestimmte Rebsorte oder für eine Kombination von Rebsorten bekannt sind. Daher spielt hier die Angabe der Rebsorte auf dem Etikett eine wesentlich wichtigere Rolle als bei Weinen aus Frankreich, Italien oder Spanien. Selbst bei Cuvées werden in der Regel die Rebsorten angegeben, entweder auf dem vorderen Etikett oder auf dem Rückenetikett. Die häufigsten Cuvées in diesen Ländern sind Weine die Vorbildern der neuen Welt nacheifern, insbesondere sogenannte ‚Bordeaux-Blends‘ aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc Trauben.

 

In Deutschland spielen Cuvées eine gernige, aber steigende Rolle

In Deutschland werden die meisten Weine als rebsortenreine Rieslinge, Müller-Thurgau, Grauburgunder, Weißburgunder, Spätburgunder, Dornfelder oder Lemberger verkauft. In den meisten Regionen gibt es aber auch traditionelle Cuvées, zum Beispiel aus Lemberger und Trollinger in Württemberg, aus Riesling, Grauburgunder und Müller-Thurgau in der Pfalz und Rheinhessen oder aus Dornfelder, Portugieser und Spätburgunder Trauben. Insbesondere bei Rotweinen spielen Cuvées eine steigende Rolle, weil sie vom Kunden besser akzeptiert werden als Weißweincuvées. Einerseits werden immer mehr internationale Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon für diese Cuvées verwendet, andererseits spielen auch die etablierten Rebsorten wie Dornfelder, Spätburgunder, Portugieser und Regent nach wie vor eine wichtige Rolle für deutsche Rotweincuvées.

 

Die fünf Geheimnisse bei der Herstellung einer guten Weincuvée

Um besser zu verstehen, was eine gute Weincuvée ausmacht, habe ich Euch nachfolgend 5 wichtige Punkte aufgelistet, auf die Winzer bei der Herstellung von Cuvées achten:

1. Die Zusammenstellung der Cuvée erfolgt erst wenn die einzelnen Weine fertig sind

Die verschiedenen Rebsorten werden auch bei Cuvées getrennt im Weinberg angebaut, zu verschiedenen Zeitpunkte gelesen und voneinander getrennt im Keller behandelt. Jeder Rebsorte, oft auch Weine von verschiedenen Weinbergen gären und reifen separat. Erst wenn die einzelnen Weine aus Sicht des Winzers reif genug sind, macht er sich an das Zusammenstellen einer Cuvée. Dies gilt übrigens auch für die meisten Weine aus nur einer Rebsorte: die Weine von verschiedenen Weinbergen werden erst miteinander verschnitten, nachdem sie separat gereift sind.

 

2. Die Einzelweine müssen miteinander in einem harmonischen Verhältnis stehen

Ein wichtiges Qualitätskriterium eines Weines ist seine Harmonie. Bei guten Weinen ist Alkoholgehalt, Säure, Süße, Fruchtigkeit, Mineralität und die Stärke der Tannine genau aufeinander abgestimmt. Ein süßer Wein ohne Säure würde zum Beispiel flach und langweilig schmecken. Diese Harmonie herzustellen ist bei einer Cuvée oft leichter, als bei einem Wein nur einer Rebsorte: man kann Grundweine mit mehr Säure, stärkeren Tanninen oder mehr Alkohol verwenden, damit das Ergebnis der Cuvée harmonischer wird.

3. Der Kellermeister kann die Schwächen der Rebsorten ausmerzen und ihre Stärken hervorbringen

Das Ziel einer Cuvée ist, dass das Gesamtergebnis besser ist als die Einzelkomponenten. Ein guter Kellermeister nutzt die Stärken der einzelnen Rebsorten um ihre jeweiligen Schwächen auszumerzen. Neben wir das Beispiel der Bordeux-Cuvées: der Cabernet Sauvignon steuert eine kräftige Farbe, viel Tannin und eine gute Struktur zum Wein bei. Reine Cabernet Sauvignon Weine sind aber oft zu bitter, adstringent und wenig fruchtig. Der Merlot mildert die Tannine des Cabernet Sauvignon ab, bringt mehr Alkohol und Körper ein und eine angenehme fruchtige Note. Durch seine Milde müssen Weine mit einem höheren Merlot Anteil nicht so lange reifen, reine Merlot Weine sind aber oft etwas langweilig, eher hell und haben weniger Tannin. Der Cabernet Franc steuert feine Tannine, eine gewisse Würzigkeit und weitere Fruchtaromen bei. Da der Cabernet Franc aber nicht sehr lagerfähig ist, spielt er bei den Super Premiumweinen die Jahrzehnte lagern können kaum eine Rolle.

 

Darüber hinaus kann man die Aromen der verschiedenen Rebsorten kombinieren. Beim Bordeaux-Wein kann der Cabernet Sauvignon Röstaromen, Leder, Lakritze, schwarze Johannisbeere und grüne Paprika in den Wein einbringen, der Merlot bringt weitere Waldbeeren und Noten von Kräutern mit und der Cabernet Franc trägt mit Aromen von Himbeeren, Brombeeren und Veilchen bei.

 

4. Der Winzer muss die Kraft eines jeden Weines verstehen

Bei der Kreation einer Cuvée muss man die einzelnen Grundweine verstehen. Um zum Beispiel der Bordeux-Cuvées zurückzukommen: der Cabernet Sauvignon ist wesentlich kräftiger als der Merlot, sowohl was die Tannine angeht, als auch seine Intensität. Möchte man einen ausgeglichenen Wein erhalten, muss man daher mehr Merlot als Cabernet Sauvignon verwenden. Weitere sehr intensive Rebsorten sind Syrah und Dunkelfelder (letzter wird nur in Cuvées benutzt, da er alleine zu intensiv wäre). Zu den milderen, weicheren Rebsorten, die Cabernet Sauvignon und Syrah abmildern können zählen Merlot, Spätburgunder und gewissermaßen auch Grenache.

5. Der Wein muss sein Terroir repräsentieren

Wer einen Bordeaux, Gigondas, Chianti oder Rioja Wein kauft, weiß recht genau welchen Geschmack er sucht. Daher ist sehr wichtig für jede Weincuvée, dass Sie ihr Terroir gut repräsentieren kann, sprich die ganz besonderen klimatischen Bedingungen, die Böden, die lokale Weinbautradition und damit die für diesen Wein besonderen Aromakombinationen. Ein guter Châteauneuf-du-Pape, der aus bis zu 13 Rebsorten bestehen kann, ist unverwechselbar mit jeder anderen Cuvée. Auch die Bordeux-Weine werden viel kopiert, wurden aber in ihrer Einzigartigkeit nie erreicht. Im besten Fall erzählt jeder Wein eine eigene Geschichte von der Natur und den Menschen, die ihn geprägt haben. Für eine gute Cuvée verbringt der Kellermeister oft tagelang in seinem Keller und probiert unzählige Kombinationen der Grundweine aus, bis er die für diesen Jahrgang beste Cuvée gefunden hat.

Fazit: wie hochwertig und lecker ein Wein ist, hängt nicht von der Zahl der Rebsorten ab, sodern wie er gemacht ist und davon, welchen Wein ich gerne trinke

Entscheidend für einen guten Wein ist die Qualität der Lage, das Klima, die Böden, ob der Winzer die Erträge begrenzt, wie gut er die Weinberge pflegt und wie viel Fingergefühl und Erfahrung der Kellermeister beim Verschnitt der verschiedenen Grundweine hat. Ob der Wein aus einer oder mehreren Rebsorten besteht, ist weniger wichtig. Es gibt zwischen reinsortigen Weinen und Cuvées keine grundsätzlichen qualitativen Unterschiede. Oft sind Cuvées aber komplexer, haben also mehr verschiedene Aromen, während Weine aus nur einer Rebsorte klarer in ihren Aromen sind.

 


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