Der Winzerkalender: April

Mit dem Beginn des Aprils ist auch der Frühling im Weinberg angekommen. April kommt vom lateinischen Wort aperire: öffnen. Es ist auch für die Rebe der Monat, in dem sich die Knospen und die Blätter öffnen und anfangen an sich zu entfalten. Mit großen Schritten geht es jetzt ins das Wachstum der Rebe, den Trieben und Blättern. Im Blogbeitrag Winzerkalender März habt ihr ja erfahren dass die Rebe durch das Anbinden in eine vom Winzer bestimmte Form gebracht wird. Dieser Form folgen die neuen Triebe die in den nächsten Wochen in den Drahtrahmen nach oben wachsen werden. In diesem Zeitraum spielt die Ernährung, also die Zufuhr von Nährstoffen eine wichtige Rolle.

Die besten Weine wachsen auf kargen Böden

Viele denken, dass die besten Weine auf fruchtbaren Böden wachsen. In diesem Blogbeitrag möchte ich Euch erklären, dass dies nicht der Fall ist und Euch die Hintergründe der Düngung im Weinberg näherbringen.

Der Weinbau ist eine Form der Landwirtschaft und wird als Dauerkultur bezeichnet. Das heißt, die Reben stehen in der heutigen Zeit bis zu 40-50 Jahre am gleichen Fleck und brauchen dementsprechend Nährstoffe um weiter gedeihen und vor allem qualitativ hochwertige Trauben produzieren zu können. Diese Nährstoffe nimmt die Rebe aus dem Boden auf und ‚verbraucht‘ sie schrittweise. Die Winzer ergänzen sie wieder durch Düngung des Bodens. Jedoch ist hierbei das Motto ‚Viel hilft viel‘ fehl am Platz.

 

Die Rebe ist eine Kletterpflanze und würde ohne Reberziehung an Bäumen emporranken um möglichst viel Licht zu erhalten. Diese Triebkraft in die Höhe wird im kultivierten Weinbau, wie man ihn heutzutage kennt, durch den Rebschnitt und die Erziehungsform unterdrückt. Einige der Erziehungsformen konntet ihr im letzten Blog kennenlernt. Mit Hilfe der Erziehungsform wird die Rebe dahin gebracht, ihre Energie nicht primär in das Wachstum, sondern wie gewünscht in die Trauben zu lenken. Dieser Effekt wird durch eine gesteuerte, knappe Nährstoff- und Wasserversorgung gefördert. Die Regulierung und Beeinflussung der Qualität der Trauben werde ich euch in einem späteren Blog erläutern.

Erst Ende April wird zum ersten Mal gedüngt

Heute geht es erst einmal um die Düngung im Frühjahr, die Frühjahrsdüngung. Meist wird die Notwendigkeit der Düngung mit Hilfe von Bodenanalysen bestimmt. Hierbei wird die Nähstoffversorgung im Boden gemessen und Defizite von Nährstoffen herausgestellt. Diese Defizite kann der Winzer dann behandeln und mit einer gezielten Düngung beheben. Jedoch steht der Fokus auf einer gezielten und moderaten Düngung. Denn wenn ein Überschuss an Nährstoffen und Wasser vorhanden ist, denk sich die Rebe „in der oberen Bodenschicht sind genügend Nährstoffe und Wasser vorhanden, da brauche ich keine tiefen Wurzeln auszubilden“. Was die Rebe freut, ärgert jedoch den Winzer, denn dieser möchte, dass die Rebe tiefe Wurzeln schlägt. Denn in den tieferen Bodenschichten kann die Rebe vielfältige Mineralstoffe und Spurenelemente aufnehmen, die wiederum zu komplexen Aromen im Wein führen. Wenn man sich also in der Weinwelt umschaut, findet man die besten Weine eher auf kargen und oft steinigen Böden. Fruchtbare Böden werden meinst mit einjährigen Kulturen bepflanzt, wie zum Beispiel Gemüse oder Getreide. Denn zum Beispiel der Anbau von Kartoffeln würden auf den mit groben Schieferfragmenten bedeckten und durchsetzten Böden des Moseltals oder auf dem stark mit Kieselschotter durchmischten Untergrund im Bordeaux ohne Erfolg bleiben.

Gedüngt wird übrigens auch auf biologischen und biodynamischen Weinbergen. Allerdings werden dort rein natürliche Dünger eingesetzt, insbesondere Kompost. Dazu mehr in einem späteren Blogartikel.

 

Der Zeitpunkt der Düngung hängt von verschieden Aspekten ab. An erster Stelle spielt das Wetter eine wichtige Rolle: die Temperatur und der Niederschlag geben der Rebe Signale, aus dem Winterschlaf zu erwachen und mit der Entwicklung von Blättern zu beginnen. Hierzu braucht die Rebe noch keine großen Mengen an Nährstoffen. Diese werden erst bei der Bildung der Blüte benötigt, aus der sich später die Trauben entwickeln. Daher entnimmt die Rebe erst im Mai nennenswerte Stickstoffmengen aus dem Boden, eine Düngung wird also erst gegen Ende April notwendig.

Verschiedene Arten der Düngung

Die Aufnahme und Abgabe von Nährstoffen innerhalb eines Rebjahres kann als Kreislauf dargestellt werden (Abb. 1). Dieser Nährstoffkreislauf sollte weitestgehend geschlossen bleiben. Die Rebe verliert im Laufe des Jahres Nährstoffe hauptsächlich durch die Ernte der Trauben, aber auch durch Verlust im Boden wie Auswaschung oder Erosion. Um diesen Verlust zu begleichen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Nährstoffe der Rebe wieder zurückzugeben. Je nach Philosophie des Winzers variieren die Schwerpunkte der Düngung im Weinberg.

Zugabe von Nährstoffen

Das Nährstoffangebot im Boden aus natürlicher Nachlieferung (Lösung von Mineralstoffen im Boden aus tieferen Bodenschichten, Nährstoffe die im Wasser gelöst sind und von ihm transportiert werden und Nährstoffe die aus Blättern und Zweigen der Reben zurückgewonnen werden) ist auf Dauer nicht ausreichend, weil die Rebe mehr Nährstoffe entzieht, als nachgeliefert werden. Um die Rebe langfristig mit den notwenigen Nährstoffen zu versorgen und optimale Erträge zu erzielen, können dem Boden durch Düngung Nährstoffe zugeführt werden. Die Hauptbestandteile dieser Dünger sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K), sie werden deswegen auch als NPK-Dünger bezeichnet. Die Menge an Dünger sollte durch vorherige Bodenuntersuchungen gezielt an den Bedarf angepasst werden. Alle fünf Jahre sollte der Boden analysiert werden, denn es ist wichtig als Winzer seinen Boden zu kennen.

Begrünung

Als Begrünung wird die Bepflanzung der Rebzeilen mit einjährigen oder mehrjährigen Pflanzen bezeichnet. Eine Begrünung der Rebzeilen hat mehrere Ziele:

  • Bessere Befahrbarkeit der Rebzeilen mit Maschinen
  • Erosionsschutz
  • Förderung der Bodenfruchtbarkeit und Bodenleben
  • Förderung der Artenvielfalt
  • Humusproduktion vor Ort
  • Zufuhr von Stickstoff und anderen Nährstoffen nach Einarbeitung der Pflanzen in den Boden

Jeder Winzer folgt einer anderen Philosophie, welche Begrünung er aussät, ob er jede Zeile begrünt oder nur jede zweite und wie lange er die Begrünung stehen lässt. Die Unterschiede zwischen den Philosophien sind bei einem Besuch in den Weinbergen klar erkennbar.

Ernterückstände und Schnittholz

Auch wenn die Entnahme von Nährstoffen durch die Traubenernte den größten Entzug darstellt, können Teile dieses Verlustes wieder dem Boden und somit der Rebe zurückgegeben werden. Viele Winzer bringen die Rebstängel, die nach der Entrappung übrigbleiben, wieder zurück in den Weinberg. Nach der Ernte wird der Saft aus den Trauben gepresst und dieser Saft vergoren. Die übrigen Traubenschalen und –stängel können zurück in den Weinberg gebracht werden. Bei Rotwein wird meinst die gesamte Traube gepresst und dann mit Schalen und Kernen vergoren. Dieser sogenannte Weintrester kann ebenfalls als Düngung verwendet und somit dem Weinberg zurückgegeben werden.

 

Ein weiterer wertvoller Dünger ist der Hefetrub: Die dem Traubenmost zugesetzte Hefe stirbt nach getaner Arbeit ab und bildet den Hefetrub. Diese verschiedenen „Abfälle“ werden dann, wenn im Weinberg ausgebracht, im Boden mineralisiert und die Nährstoffe wieder für die Rebe zur Verfügung gestellt. Alle die den genauen Ablauf der Vinifizierung von Rot- und Weißweinen noch nicht genau kennen, müssen sich noch etwas gedulden. Was genau im Keller mit den geernteten Trauben passiert, werde ich euch in einem Blog im Herbst näherbringen.

Zur Rückgabe von Nährstoffen an den Weinbergsboden kommt es auch beim Rebschnitt. Das geschnittene Rebholz verbleibt in der Rebanlage und die Nährstoffe werden durch Mineralisation ebenfalls wieder dem Boden zurückgeführt. Früher wurde das Schnittholz aus dem Weinberg entfernt und anschließend verbrannt, um mögliche Schädlinge abzutöten. Heute hingegen wird das Rebholz durch Häckseln zerkleinert, verbleibt in den Rebzeilen und die Nährstoffe im Holz werden so dem Boden zurückgegeben. Gerade Anfang April sieht man noch viele abgeschnittene Rebzweige in den Rebgassen liegen. Vielleicht seht ihr beim nächsten Frühlingsspaziergang einige im Weinberg. Später im Jahr leisten die im Herbst abfallenden Blätter eine weitere Zufuhr an Nährstoffen. Die Blätter werden nicht wie in den Hausgärten zusammen gerächt und weggebracht, sondern sie fallen auf den Boden der Rebanlage und werden dort im Laufe des Herbsts zersetzt.

Diese drei Düngemaßnahmen können in verschieden Variationen durchgeführt werden und jeder Winzer entscheidet anders, was für seine Reben und den Boden das Beste ist. Grundsätzlich sollte der Boden die notwenigen Nährstoffe für die Entwicklung von Trieben, Blättern und Trauben, dem jahreszeitlichen Bedarf entsprechend, bereitstellen. Die Bodenpflege und Düngung dienen hierbei nur als Steuerungs- und Ergänzungsmaßnahmen.


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