Der neuste Weintrend: Orange Wines, Amphorenweine und Naturweine

Einer der neusten Trends bei Weinen sind Orange Wines, Amphoren Weine und Naturweine. Insbesondere dem Orange Wine wird von einigen Weinexperten eine große Zukunft bescheinigt. In diesem Blogartikel möchte ich Euch ein bisschen näherbringen, worum es sich bei den drei Weinstilen handelt und was ich von diesen Weinen halte.

 

Hinter dem Orange Wine verbirgt sich eine Methode Weißweine herzustellen, die ähnlich der Rotweinherstellung ist. Kurz zusammengefasst ist der Traubenmost beim Orange Wein wesentlich länger mit den Beerenschalen in Kontakt als beim herkömmlichen Weißwein und wird ähnlich wie ein Rotwein vinifiziert. Durch den langen Schalenkontakt und die Weinherstellung wird der Wein orange oder bernsteinfarbig. Die Herkunft des Orange Weins, beziehungsweise der Herstellung dieses Weines und dessen Trend wird viel diskutiert und ist recht umstritten. Leider werden die Begriffe Orange Wine, Amphorenwein und Natural Wines meinst in einen Topf geschmissen. Der Amphorenwein wird wie in der Antike in großen tönernden Amphoren hergestellt. Der Naturwein soll möglichst ohne künstliche Prozesse und Zusätze auskommen, also ohne Zuchthefen, Schwefel und Filtrierung. Zwar kann ein Wein in der Theorie Orange Wine, Amphorenwein und Naturwein gleichzeitig sind, meist ist er aber nur eins davon. In diesem Blog möchte ich euch die Besonderheiten, die Philosophie und den Geschmack dieser drei Weinstile erläutern und erklären, welche Auswirkungen sie auf den Weinstil haben.

Orange Wines, Naturweine und Amphoren Weine sehen ähnlich aus, können auch ähnlich schmecken, aber werden durch unterschiedliche Praktiken hergestellt. Eine gesetzliche Definition der Begriffe gibt es derzeit noch nicht. Orange Wines und Naturweine werden aus weißen Trauben hergestellt, weisen aber eine Weißwein-untypische Farbe auf. Amphorenweine können sowohl aus weißen, als auch aus roten Trauben gemacht werden. Weiße Amphorenweine haben eine ähnliche Farbe wie Orange und Naturweine. Das Geheimnis hinter der Farbe liegt bei Orange Wines und Amphorenweinen am Schalenkontakt.

Die Herstellung von Orange Wines

Orange Wines sind kurz gesagt, Weißweine, die wie Rotweine maischevergoren werden. Aber was verbirgt sich hinter solch einer Maischegärung? Den Vorgang der Maischegärung findet man fast ausschließlich bei Rotweinen. Die Trauben werden von ihrem Stängel gelöst und die Trauben werden durch Quetschen geöffnet, sodass der Saft leicht austreten kann. Diese Mischung aus Traubensaft, Traubenschalen, Traubenkernen und Rappen (kleine Stängel mit denen die Trauben an den Zweigen befestigt sind) nennt man Maische. Zuerst wird die Maische geschwefelt, um eine Oxidation der Trauben und die Bildung von schädlichen wilden Hefen und Bakterien zu verhindern.

 

Die Maischegärung dient dem Zweck, dass die Phenole und Tannine aus der Schale extrahiert und Farbstoffe gelöst werden. Die Dauer und Art der Maischeextraktion beeinflussen die Farbe, Adstringenz und Bitterkeit des späteren Weines. Bei den Orange Wines wird ein Weißwein mit Schalen, Beeren und Kernen vergoren. Die Maischegärung führt zu einer Farbextraktion, die Weine werden orange bis rötlich, anstatt des Weißwein-üblichen zitronen- oder goldgelb. Der Vorgang der Maischegärung kann in verschiedenen Gefäßen stattfinden. Eine offene Maischegärung kann in Bütten oder offenstehenden Tank- und Holzbottichen durchgeführt werden, für eine geschlossene Maischegärung werden liegende oder stehende Tanks verwendet. Es gibt aber auch noch ganz besondere, fast in Vergessenheit geratene Behältnisse – die Amphoren.

Auf den Spuren antiker Weine: Amphorenweine

Manche Winzer füllen ihren Wein für die Vergärung in ein spezielles Tongefäß, eine Amphore. Amphoren wurden schon im antiken Kaukasus, Griechenland und Rom genutzt, um Wein zu lagern und zu transportieren. Oft werden bei der Herstellung von Amphorenweinen nicht nur Traubenkerne und –haut mit vergoren, sondern auch die Taubenstängel. So wie die Traube aus dem Weinberg kommt, wird sie kurz angequetscht und dann in die Amphore gegeben. Das Tongefäß wird bis zur Öffnung im Boden eingegraben. Dies dient der natürlichen Kühlung durch den Boden, als auch zum Schutz des Gefäßes, denn bei diesem großen Flüssigkeitsgewicht würde die Amphore platzen. Durch die Atmungsaktivität des Tones tritt Sauerstoff während der Gärung und Lagerung ein und führt zu einer Oxidation des Weines, ähnlich wie bei der Lagerung in Eichenholzfässern. Die meisten Winzer die Amphorenweine herstellen, folgen einer sehr traditionellen Philosophie der Weinherstellung, indem sie den Wein so natürlich wie möglich behandeln: der Wein wird mit Hilfe der Sedimentation geklärt und es werden keine Hilfsstoffe zugesetzt.

Der neuste Trend: Naturweine

Naturweine, auch ‚raw wine‘, ‚naked wine‘ oder ‚vin naturel‘ genannt, werden so natürlich wie nur möglich hergestellt. Der Winzer versucht, so wenig chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel wie möglich einzusetzen und im Keller mit minimalen Eingriffen zu arbeiten. Vornehmlich bezieht sich diese Philosophie jedoch auf den Ausbau des Weines im Keller. Dort wird dem Vorsatz gefolgt, ohne Zusatzstoffe und aufwändige Kellertechnik zu arbeiten. Eine wichtige Rolle spielt die Spontanvergärung des Weins. Anders als bei den meisten herkömmlichen Weinen wird keine Reinzuchthefe verwendet, um die Gärung einzuleiten, sondern natürlich vorkommenden Hefen (wilden Hefen), die sich auf der Beerenhaut und im Keller befinden. Die meisten Winzer setzen Reinzuchthefen ein, um eine sichere, kontrollierte Gärung zu erhalten und somit einen typischen Rebsorten-Charakter des Weines zu garantieren. Spontan vergorene Weine können sehr gute, ausdrucksstarke Weine sein, aber es kann auch sehr schnell ein unangenehmer Wein mit Fehltönen entstehen. Daher erfordert das Verfahren viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Häufig findet man spontanvergorenen Weine bei Winzern, die biologischen oder bio-dynamischen Weinbau praktizieren.

 

Ein weiterer Aspekt der natürlichen Herstellung von Wein ist die Klärung. Anstatt mit Gelatine oder anderen tierischen Produkten zu arbeiten, werden Naturweine durch die natürliche Schwerkraft der Trubteilchen im Wein geklärt. Dieser Vorgang braucht viel Zeit und es kann vorkommen, dass Naturweine leichte Trübungen aufweisen, die den Wein aber geschmacklich nicht beeinflussen.

 

Der wohl schwierigste Punkt für Winzer die Naturweine herstellen ist die Schwefelung. Im Gegensatz zu Weinen aus herkömmlicher Herstellung, werden Naturweine nicht geschwefelt. Während der Weinherstellung wird Schwefel zu Konservierung des Weines verwendet. Das heißt unter anderem, dass der Sauerstoff durch den Schwefel abgebunden wird und eine Oxidation verhindert. Bei Naturweinen ohne Schwefelzugabe, muss der Winzer im Weinkeller sehr auf die hygienischen Verhältnisse achten. Ein Sauerstoffkontakt sollte vermieden werden, besonders bei und nach der Abfüllung in die Flasche. Es kann jedoch trotzdem zu einer Oxidation kommen, die dann eine Orange bis Braunfärbung des Weines und eine erhebliche Beeinträchtigung des Geschmacks mit sich ziehen kann. Diese Farbbeschaffenheit kann eine mögliche Verwechslung zu Orange Weinen erklären. Winzer die nicht schwefeln, müssen auf ihren Weinetiketten nicht die Kennzeichnung „enthält Sulfite“ aufdrucken. Für Menschen, die allergische Reaktionen auf Sulfite bekommen, sind diese Weine bekömmlicher.

Wie unterscheiden sich Orange Wine, Amphorenwein und Naturwein?

Wenn ihr einem Orange Wine vor euch habt, bezieht sich der Begriff auf die Art der Gärung: es findet eine Maischegärung statt. Bei Ampohrenweinen liegt der Fokus auf den Ort der Gärung: in einer Amphore. Naturweine umfassen hingegen eine gesamte Winzerphilosophie, die vom Weinberg bis hin zum Keller auf eine schonende, naturbelassene Behandlung der Trauben und später des Mosts beziehungsweise des Weines setzt. Oft gibt es eine Überschneidungen dieser Philosophien. Wenn Ihr einen solchen Wein vor euch habt, fragt also einfach mal nach, wie dieser hergestellt wurden. Mit Eurem neuen Wissen über die Trend-Weinverfahren werdet ihr bei vielen Winzern, Weinhändlern und Sommeliers für Staunen sorgen.

Wie schmecken Orange Wines, Amphorenweine und Naturweine?

Die farbintensiven Orange Wines besitzen mehr Tannine als Weißweine und weisen somit würzige Aromen auf, sowie Noten von Sherry, Nüssen und Trockenfrüchten. Die Besonderheit bei Amphoren-Weinen ist ein herb-nussiger Geschmack, durch ihre Herstellung mit Sauerstoffkontakt. Für manche äußert sich diese Aromatik aber auch als muffig und oxidiert. Hier streiten sich die Weingeister, für manche Weinliebhaber können die Weine eine wahre Geschmacksexplosion darstellen, für andere einen fehlerhafter Wein.

 

Wie schaut es mit der Essenbegleitung von Orangeweinen aus? Auf Grund der Herstellungsart, die der Rotweinherstellung ähnelt, sind sie auch hervorragende Begleiter von Gerichten, zu denen man sonst Rotwein anbieten würde, also rotem Fleisch mit kräftigen Saucen. Aber sie sind auch harmonische Begleiter für Fischgerichte, besonders zu rohem und eher fettreichen Fisch, zum Beispiel in Form von Sushi und Sashimi.

 

Der Geschmack von Naturweine wird zum einen durch die Spontangärung geprägt, zum anderen durch den Verzicht auf Schwefel. Es dominieren Aromen, die normalerweise vom Schwefel gebunden würden. Diese untypischen Aromen können als ungewohnt oder als Weinfehler empfunden werden, aber es gibt viele Weinliebhaber die diese Weine lieben. Während ich großer Fan von spontanvergorenen Weinen bin, haben mich von den vielen ungeschwefelten Weinen die ich probiert habe nur sehr wenige überzeugt. Aber angesichts der Geschwindigkeit mit der Bioweine und biodynamische Weine von experimentellen Nischenprodukten zu allgemein anerkannten Spitzenweinen wurden, wird es auch im Bereich der Naturweine eine sehr schnelle Entwicklung geben.

Die Geschichte von Amphorenweinen, Orange Wines und Naturweinen und zukünftige Trends

Die Vergärung von Wein in Amphoren ist die weltweit älteste Form der Weinherstellung und stammt aus Georgien. Diese Herstellung lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen und ist somit rund 8000 Jahre alt. Die „moderne“ Weinherstellung in Amphoren finden zunehmend Verbreitung in Italien, Slowenien, Kroatien, Frankreich, Deutschland und Österreich. Vorreiter ist hier eine Handvoll Winzer im Friual in Italien und dem Karst in Slowenien, die Anfang der 2000er Jahre damit begannen, ihre Trauben samt Traubenschale und –stängeln in Tonamphoren in der Erde zu vergären. Seither werden die Namen Josko Gravner, Edi Kante, Stanko Radikon und Nicoló Bensa mit bernsteinfarbenen Amphorenweinen in Verbindung gebracht. Weinjournalisten, Sommeliers und Kritiker streiten sich um die richtige Herstellung und den Geschmack der Orange- , Amphoren- und Naturweine. Das Fazit des ehemaligen Sommeliers des Münchner Sterne-Restaurants Tantris, Justin Leone, lautet: „Orange Wines aus dem Elsass, der Rhone oder Dänemark unterscheiden sich geschmacklich kaum. Schmecken alle gleich – nach verrotteter Erde und Sauerkraut.“ Jedoch tauchen neben Rot-, Weiß- und Roséweinen mittlerweile auch Orange Weine auf Weinkarten von Spitzengastronomen auf. Noch sind diese Weine als Nischenprodukt vertreten, obwohl sich der Absatz in der Spitzengastronomie sehr positiv entwickelt.

 

Eine Hürde für die Weine ist ihre Bezeichnung als Landwein. Auf Grund der oft sorten- und gebietsuntypischen Weine, die zum Teil auch noch Trübungen aufweisen, müssen die Weine als Landwein vermarket werden, da sie keine amtliche Prüfnummer erhalten.

 

Auch die Entstehung des Naturweines ist nicht klar zurückzuverfolgen, aber es ist ein deutlicher jüngerer Trend als die Orange Wines. In Frankreich und Italien entstand die Bewegung für Naturweine Anfang der Neunziger Jahre, mittlerweile werden Naturweine aber auch in Slowenien, Österreich, Deutschland und Spanien hergestellt. Viele Winzer sehen im Naturwein eine alternative für Menschen, die Sulfite nicht vertragen und werben mit „Wein für Allergiker“. Als Naturwein-Visionär gilt der Weinproduzent und Négociant Jules Chauvet aus dem Burgund. Chauvet war Chemiker und ein begnadeter Weinexperte, der sich für die Naturbelassenheit von Weinen stark gemacht hat.

 

Eine spannende Frage ist auch: Welche Rebsorten eignen sich überhaupt für die Herstellung eines maischevergorenen Orange Wines oder Naturweines?

 

DIE Rebsorte gibt es nicht, denn der Wein verliert durch die Gärung mit Traubenkernen, -stielen und –haut größtenteils seinen rebsortentypischen Charakter. Daher liegt es ganz am Winzer, welche Rebsorte er verwendet: Von Riesling über Silvaner hin zu einem Grau- oder Weißburgunder. Das Gleiche gilt auch für Amphorenweine, hier kann der Winzer frei aus seinem Traubensortiment wählen. Allerdings behalten aromatische Weine wie Gewürztraminer und Sauvignon Blanc noch am ehesten ihren rebsortentypischen Geschmack.

 

Da die Herstellung der Naturweine eine Philosophie der Weinherstellung darstellt und unter anderem eine Minimierung der Weinzusatzstoffe bedeutet, ist diese Herstellungsart auf jede Rebsorte anwendbar. Also gibt es auch hier keine spezifischen Rebsorten, die sich besonders gut für Naturweine eignen.

Da es sich bei Orange Wines, Naturweinen und Amphorenweinen um recht neue Trends handelt, die momentan aber viel diskutiert werden, würde ich mich sehr über Eure Kommentare zu dem Thema freuen. Dieser Artikel kommt größtenteils noch ohne Fotos aus, weil ich keine guten Fotos von Naturweinen, Orange Wines und Amphorenweinen habe – jeder der passende Fotos hat, darf sie mir gerne schicken.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0