Winzerkalender: Mai

Der Mai macht in den Weinbergen dort weiter, wo der April aufgehört hat: Sonne, heiße Temperaturen, Frost, Regen und Hagel. Die Herausforderungen für die Winzer werden dadurch nicht kleiner, insbesondere das Problem des Frühjahrsfrostes (in einem anderen Blog-Artikel gehe ich näher auf dieses Problem ein). Wie in jedem Mai stehen für den Winzer im Mai eine ganze Reihe von wichtigen Tätigkeiten an, allen voran das Ausbrechen neuer Triebe, das Entfernen von Fruchtruten und die Frühjahrsspritzung.

1. Das Ausbrechen von Trieben

a) Bedeutung der Laubwand

Um den Sinn hinter dem Ausbrechen zu erläutern, möchte ich etwas weiter ausholen und Euch kurz etwas über die Photosynthese erzählen, von der ihr vielleicht schon einmal im Biologie-Unterricht gehört habt. Das Wort Photosynthese leitet sich aus den drei griechischen Wörtern phos (Licht), syn (zusammen) und thesis (setzen) ab. Bei der Photosynthese nutzen Pflanzen Licht, Wasser und Kohlendioxid, um daraus den Zucker Glukose und Sauerstoff herzustellen.

 

Die Menge der Glukose die während der Photosynthese produziert wird, beeinflusst wie viel Zucker später in der Traube eingelagert wird. Auch ist der Zucker Ausgangspunkt für alle anderen wichtigen Inhaltsstoffe für den späteren Wein, wie die Säure und Aromastoffe. Daher stellt die Photosynthese einen zentralen Prozess im Leben der Rebe dar und ist enorm wichtig für die spätere Qualität des Weines. Damit eine Rebe möglichst viel Zucker produziert, muss das Verhältnis von Blättern zu Trauben optimal sein. Eine wichtige Aufgabe des Winzers ist daher, das Wachstum einer Laubwand zu gewährleisten, welche die optimale Leistung der Photosynthese ermöglicht.

b) Das Ausbrechen

Der erste Schritt zum Aufbau einer optimalen Laubwand ist das Ausbrechen im Frühjahr. Dieser Arbeitsschritt erfolgt dann, wenn die ersten Triebe ein Wuchshöhe bis zu einer Handbreit erreicht haben. Was aber verbirgt sich hinter dem Wort „Ausbrechen“? In der Tat bricht der Winzer einige junge Triebe aus der Rute aus, welche im März an den Drahtrahmen gebogen wurden. Im Winzerkalender März habe ich den Hintergrund des Biegens erklärt, das könnt Ihr noch einmal nachlesen.

Da die Natur nicht symmetrisch und gleichmäßig wächst, kommt es vor, dass zwei Triebe eng nebeneinander, stehen und sich gegenseitig Platz und Nährstoffe wegnehmen. Demnach bricht man einen der eng stehenden Triebe aus, sodass nur ein Trieb zurückbleibt und dieser Platz und Kraft zum Entwickeln hat. Die Rebe sollte möglichst wenig Energie für die Entwicklung von unnötigen Trieben aufwenden.

Was hat das nun aber mit der Struktur der heranwachsenden Laubwand zu tun? Wenn der Winzer jedem Trieb der sich entwickelt freien Wuchs lässt, hat die Rebe zu viele Triebe, die eine Vielzahl an Blättern ausbilden und zu einem Verwuchern der Rebe führt. Je nach Rebsorte und ihrer Wuchskraft sollten im Schnitt zwischen 10 und maximal 15 Trieben pro laufendem Meter belassen werden. Im Verlauf des Frühjahrs und Frühsommers bildet sich eine lockere Laubwand aus. Eine Lockere Laubwand hat den Vorteil, das Licht an die Tauben kommen kann und die Qualität der Trauben fördert. So kann auch mehr Wind durch die Laubwand wehen, wodurch weniger Rebkrankheiten auftreten.

 

Dieser Arbeitsschritt sollte möglichst 1-3 Wochen nach dem Austrieb der Knospen durchgeführt werden, die sich nun zu kleinen Trieben entwickelt haben. Falls zu lange mit diesem Arbeitsschritt gewartet wird, sind die Triebe bereits recht kräftig, sodass beim Ausbrechen der Triebe größere Wunden entstehen können. Leider macht es die Natur und damit die Rebe dem Winzer nicht immer leicht – die Triebe wachsen nicht alle gleichmäßig und in gleicher Schnelligkeit. Das bedeutet oft, dass der Winzer nicht nur einmal zum Ausbrechen der Triebe durch den Weinberg gehen muss, zwei bis drei mal, um den unregelmäßigen Wuchs der Triebe zu kompensieren.

c) Austriebe und Wasserschosse

Zum Ausbrechen gehört ein weiterer Arbeitsschritt: das Entfernen der Triebe, welche sich am Stamm aus dem alten Holz gebildet haben. Diese Triebe sind unnötig, weil an ihnen kaum Trauben wachsen. Sie werden auch Wasserschosse genannt, weil sie der Rebe Wasser und Nährstoffe entziehen. Die Zahl der Wasserschosse am Stamm unterscheidet sich je nach Rebsorte. Zum Beispiel treiben Silvaner und Morio-Muskat gerne Wasserschosse aus, im Gegensatz zum Kerner oder Portugieser.

2. Das Entfernen der Frostruten

Oft wird gleichzeitig mit dem Ausbrechen neuer Triebe die Frostrute entfernt. Ich habe euch im Winzerkalender Februar schon die Arbeit des Rebschnittes erläutert. Viele Winzer lassen bei diesem Arbeitsschritt nicht nur eine Rute stehen, sondern zwei. Eine der beiden Ruten wird als Hauptrute ausgewählt und an das Drahtgerüst gebunden. Die andere Rute, die sogenannte Frostrute, bleibt vorerst stehen. Sie dient als Ersatzrute, falls die Hauptrute als Folge von starkem Frost abstirbt oder beim Biegen auf den Drahtrahmen abbricht. Eine alte Bauernregel besagt, dass bis zu den ‚Eisheiligen‘ noch Fröste auftreten können. Die Eisheiligen unterscheiden sich je nach Region – in diesem Jahr fangen sie am 11.Mai an. Sie erstrecken sich über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen im Mai. Viele Winzer folgen dieser Bauernregel und warten mit dem Entfernen Frostrute bis zum Ende der ‚Eisheiligen‘, dieses Jahr bis zum 15. Mai.

3. Der Pflanzenschutz

a) Grundlagen

Schädlinge und Krankheiten, aber auch der Einfluss des Wetters wie Frost und Sonnenbrand können die Menge und die Qualität der Trauben und somit auch die des Weines stark beeinflussen. Ziel des Pflanzenschutzes ist es, die Rebe so gut wie möglich vor solchen Schäden zu schützen.

 

Es gibt verschiedene Ansätze zum Pflanzenschutz. Die stärksten Unterschiede treten zwischen den biologischen beziehungsweise dem bio-dynamischen und den konventionellen Weinbau auf. Beim biologischen und bio-dynamischen Weinbau wird ohne synthetische Pflanzenschutzmittel gearbeitet. Synthetische Pflanzenschutzmittel sind künstlich erzeugte Chemikalien, die zur Verminderung und zur Abtötung von Pilzen und Schädlingen verwendet werden. Für die meisten dieser Gefahren gibt es mittlerweile aber auch alternative Pflanzenschutzmittel. Viele dieser Mittel kräftigen die Pflanze und verhindern so einen Schädlingsbefall. Diese Pflanzenschutzmittel werden aus natürlich vorkommenden Produkten gewonnen, wie Schwefel und Kupfer.

 

b) Arten von Fremdeinwirkung

Die Reben im Weinberg können grob gefasst durch 3 verschiedene Einflüsse belastet werden:

1. Krankheiten, wie Viren, Bakterien und Pilze

2. Schädlinge, wie Nematoden und Insekten

3. Abiotische Einwirkungen, wie Sonnenbrand, Frost, Wassermangel oder Nährstoffmangel

 

Um die Rebe zu schützen werden unter anderem

Fungizide – pilzabtötende Mittel,
Insektizide – insektenabtötende Mittel und
Herbizide – unkrautabtötende Mittel eingesetzt.

 

Durch verschiedene Pflege- und Pflanzenschutzmaßnahmen versucht der Winzer zwischen Mai und August die Rebe vor Schädlingen zu schützen. Dabei muss er ihre Umweltverträglichkeit, die Wirtschaftlichkeit sowie negative Auswirkungen auf die Rebe beachten.

 

Zwischen Ende April und Anfang Mai kommt es zum Austrieb der Rebe, die ersten Blätter bieten Angriffspunkte für Krankheiten und Schädlinge. Pflanzenschutzmittel gegen Pilzkrankheiten, wie den Falschen Mehltau, werden nun auf die Reben gespritzt. Hierfür werden heutzutage meist organische Fungizide eingesetzt. Früher verwendete man vor allem Kupfer- und Schwefelpräparate, die nun verbreitet im biologischen Weinbau Anwendung finden.

 

Ein kurzer Exkurs zu zwei der schädlichsten Pilzkrankheiten für Reben:

1. Der Echte Mehltau, auch Oidium tuckeri genannt

Dieser schädliche Pilz wurde aus Nordamerika eingeschleppt und breitet sich seit 1845 in Europa aus. Der Pilz befällt alle grünen Pflanzenteile und tritt zuerst an der Blattunterseite auf. Der mehlige Belag gibt der Pilzkrankheit seinen Namen. Die silbrig glänzenden Flecken zeigen sich auf der Blattoberseite als helle Flecken und fallen dort sofort ins Auge. Er führt zu geringeren Erträgen und geringerer Qualität der Trauben.

 

2. Der Falsche Mehltau, auch Peronospera genannt

Auch dieser Schadpilz wurde aus Nordamerika im Jahr 1978 nach Europa eingetragen und gilt als die gefährlichste Rebenkrankheit in Mitteleuropa. Die Schädigung ist stark von den Wettereinflüssen und der Rebsorte abhängig. Auch er kann massive Ernteausfälle zur Folge haben. Eindeutiges Erkennungsmerkmal des Falschen Mehltaus sind die gelblichen Ölflecken auf der Blattoberseite.

 

c) Pflanzenschutz im Frühjahr

Anstatt auf Pflanzenschutzmittel zurückzugreifen, kann der Winzer Pilzkrankheiten durch die richtige Erziehungsform und eine gründliche Laubwandarbeit vermeiden: eine lockere Laubwand kann nach Regen oder Nebel besser durch Wind getrocknet werden und ist weniger anfällig für Pilzkrankheiten. Mit vorbeugenden Maßnahmen arbeitet der Winzer, um die Rebe zu stärken und eine Befallsgefahr zu minimieren. Hierfür werden zum Beispiel Präparate wie Kupfer und Gesteinsmehl eingesetzt. Wann Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, hängt stark von den Witterungsverhältnissen ab. Sobald es im Frühjahr vermehrt zu Regenfällen kommt, beginnt der Winzer mit dem Pflanzenschutz. Um zu entscheiden, wann er zum ersten Mal Pflanzenschutzmittel spritzt, erhält er sehr detaillierte Informationen von den ländlichen Weinbauverbänden, unter anderem spezielle Wettervorhersagen. Diese Weinbaufaxe oder Wetterfaxe helfen bei der Einschätzung, wie hoch die Gefahr von Schädlingsbefall ist und ob mit dem Spritzen angefangen werden soll.


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