Biodynamischer Wein - Spitzenweine im Einklang mit der Natur

Biodynamische Weine werden immer beliebter in Deutschland. Zu Recht: einerseits ist es die nachhaltigste Form der Weinwirtschaft, die im Einklang mit der Natur steht. Andererseits sind biodynamische Weine in den letzten Jahren immer hochwertiger geworden und sammeln bei Blindverkostungen Spitzenpreise ein. Sie sind einfach extrem lecker und ausdrucksstark. In disem Artikel gibt Hanna Neuser einen Überblick über die Welt des biodynamischen Weinbaus und berichtet von der bio-dyn Messe 501.

"Die Rebe besitzt eine einzigartige Fähigkeit: All ihre Kräfte, die bei anderen Pflanzen in die Samen strömen und die neue Generation konfigurieren, schießen bei der Rebe in das Fruchtfleisch hinein und werden dem Menschen verfügbar." (Rudolf Steiner)

 

So umschreibt der Anthroposoph Rudolf Steiner, Pionier der bio-dynamischen Landwirtschaft, die Weinreben. Der Österreicher studierte Mathematik, Naturwissenschaften, Philosophie, Liturgie und Geschichte in Wien. In den 1920er Jahres stellte Rudolf Steiner Regel für einen bio-dynamischen Landbau auf und entwickelte das Anbaukonzept zunächst in der Landwirtschaft und Gemüsebau, die Winzer kamen erst später hinzu. Steiners Kernaussage lautet, dass Krankheiten einer Pflanze ein Anzeichen für ein natürlich gestörtes Gelichgewicht darstellt und auf den Einsatz von chemischen Hilfsstoffen bei Pflanzenschutz und Dünung zurück zu führen sind.

Die Bio-Dynamie ist eine von drei Wirtschaftsformen im Weinbau: Zum einen gibt es den integrierten Weinbau, zum anderen den biologischen Weinbau und zu guter Letzt den biodynamischen Weinbau.

 

Die letztgenannte Bewirtschaftungsweise möchte ich heute meinen Blog widmen. Ausschlaggebend war ein Besuch der 501 Messe in München Anfang Mai. Organisiert durch vinaturel.de, Deutschlands größter Online-Händler, rief für hochwertige Bio- und Biodynamische Weine eine neue Messe in München ins Leben. Die großen biodynamischen Vereinigungen ‚Biodyvin‘, ‚La Renaissance des Appellations‘, ‚Respekt‘, ‚Demeter‘ und ‚Schmecke das Leben‘ unterstützen die Veranstaltung.

Was ist biodynamischer Weinbau?

Die Sonderform des biologisch-organischen Weinbaus geht auf den österreichischen Anthroposophen Rudolf Steiner zurück. Grundgedanke der bio-dynamischen Wirtschaftsweise ist es mit Hilfe des Kreislaufgedanken, den landwirtschaftlichen Betrieb als Organismus zu sehen, also als ein Ganzes. Ziel des Kreislaufes ist es, möglichst wenig fremde Einflüsse von außen in den Betrieb gelangen zu lassen. Vergleichbar ist hier die Homöopathie, welche dem Körper keine direkte Hilfe, sondern Hilfe zur Selbsthilfe geben will.

 

Der Boden spielt in der bio-dynamischen Landwirtschaft eine zentrale Rolle und könnte mit der Haut des Menschen verglichen werden. Da die Rebe ihre Nährstoffe die sie für die Traube benötigt aus dem Boden entzieht, müssen diesem die entzogenen Nährstoffe wieder zugeführt werden. Im biologischen und bio-dynamischen Weinbau werden keinerlei unnatürliche Düngemittel verwendet: der Winzer vitalisiert und düngt mit natürlichen Substanzen. Der Kompost spielt eine wichtige Rolle in der Versorgung des Bodens mit Nährstoffen. Nur so kann sich ein Gleichgewicht im Kreislauf der Rebe einstellen. Denn mit Selbsthilfe nach Rudolf Steiner ist nicht gemeint, das der Winzer keine Aufgaben und keinerlei Arbeiten auszuführen hat und der Natur seinen Lauf lässt. Ganz im Gegenteil ist der biodynamische Weinbau wesentlich aufwendiger als der integrierter, weswegen die Weine in der Regel auch etwas teurer sind. Um die Vitalität des Bodens aufrecht zu erhalten, spielen beispielsweise die Hörner von Rindern, die in Verbindung mit anderen Stoffen wie Kuhdung oder Quarzstaub in homöopathischen Dosen als Präparate verwendet werden, eine zentrale Rolle.

 

Rinderhorn, Kuhdung und Präparate sind wichtige Begriffe für bio-dynamische Winzer, doch was haben diese Wörter mit dem Weinbau zu tun?

Die biodynamischen Präparate

Das lateinische Wort Präparat kann mit Vorbereiten oder Zubereiten übersetzt werden.

 

Es gibt verschiede Präparate, die der biodynamische Winzer über das Jahr hinweg im Weinberg anwendet. Sie vitalisieren den Boden und die Pflanzen und dienen als eine Art Heilmittel für die Erde, Förderer des Wachstums der Rebe und auch für die Qualität der Traube.

 

Hergestellt werden sie aus pflanzlichen, mineralischen und tierischen Substanzen, die kombiniert werden und nach der Dynamisierung wieder in veränderter Form der Natur zurückzugeben.

 

Unterschieden wird zwischen zwei Arten von Präparaten: Zum einen die Spritzpräparate, welche in Wasser gelöst werden und dann auf die Weinreben gespritzt werden. Hier verwendet man homöopathische Dosen, die in einer Art Ritual dynamisiert werden. Zum anderen gibt es Kompostpräparate, bei denen organische Materialien (Mist, Pflanzenreste oder Gülle) unter Zugabe von Heilpflanzen wie Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian zu Dünger hergestellt werden.

Die Spritzpräparate

(in Klammern die üblichen Bezeichnungen unter Winzern)

 

a) Hornmist (P 500)

Folgende Wirkung wird dem Hornmist zugeschrieben:

  • er regt die Bodenaktivität an,
  • fördert das Wurzelwachstum,
  • aktiviert das Eigenleben des Bodens,
  • unterstützt die Bodenlockerung,
  • unterstützt die Wasser- und Nährstoffaufnahme und
  • fördert die Stickstoff-Bindung der Knöllchenbakterien.

Hornmist wird vorzugsweise im Frühjahr ausgebracht, um das Bodenleben zügig zu aktivieren.

 

b) Hornkiesel (P 501)

Das Hornkiesel zeigt folgende Wirkungen auf die Pflanze:

  • er fördert und ordnet den Stoffwechsel der Pflanzen,
  • fördert die Widerstandskraft gegenüber Schädlingen,
  • kräftigt das Wachstum und die Spannkraft der Pflanze,
  • sorgt für eine gleichmäßige Reifequalität,
  • intensiviert die Aromen und verbessert die Lagerungsfähigkeit des Weines.

Hornkiesel wird auf die Triebe im fortgeschrittenen Frühjahr (etwa Fünf-Blatt-Stadium) angewendet. Auf jeden Fall sollte der Hornkiesel nach dem Hornmist ausgebracht werden.

 

Im Juni, Juli, August und September, jeweils um Neumond, sorgt eine Anwendung am Nachmittag für eine gleichmäßige Reife der Trauben und des Holzes, sowie für eine Stärkung des Blattwerks.

Kompostpräparate

Die Schafgarbe (P 502) reguliert den Kalium-Stoffwechsel in der Pflanze, ordnet Stickstoff- Kohlenstoff-, Schwefel- und Kaliumprozesse und fördert die Anpassungsfähigkeit an den Standort.

 

Kamille (P 503) fördert die Calcium-Prozesse, sowie die Stickstoff-Beständigkeit.

 

Brennnesseln (P 504) regulieren den Eisenhaushalt und Stickstoffprozesse im Boden.

 

Eichenrinde (P 505) fördert ebenfalls die Calcium-Prozesse, hemmt pilzliche Erreger, wirkt als Insektizid durch ihre Gerbsäure und bringt die formgebenden Kräfte genau dahin, wo sich Pflanzenkrankheiten entwickeln würden.

 

Löwenzahn (P 506) fördert die Kalium- und Kieselsäure-Prozesse, sensibilisiert die Pflanzen für die Umgebung und stärkt ihre Fähigkeit, Nährstoff anzuziehen.

 

Baldrian (P 507) fördert die Phosphor-Prozesse und reguliert Wärmeprozesse im Boden, Dünger und Pflanze. Baldrian wird vor allem bei Frühjahrsfrösten mit guten Erfolg eingesetzt.

 

 

Wichtig in der bio-dynamischen Weinbauphilosophie ist die Berücksichtigung der Mondphasen bei der Ausbringung der Präparate und anderen Arbeiten im Weinberg. So wie der Mensch und die Pflanzen einen eigenen Rhythmus besitzen, hat auch die Erde ihren eigenen Rhythmen. Die Drehung der Erde um die eigene Achse innerhalb von 24 Stunden steuert pulsierende Bewegungen. Die Veränderungen innerhalb der Atmosphäre, die auch mit den Veränderungen des Aus- und Einatmen beim Menschen verglichen werden kann, haben einen großen Einfluss auf die Pflanzen. Die Pflanze ordnen sich in den tagesrhythmischen Verlauf ein, so ist zum Beispiel die Zellteilung nachts um 3.00 Uhr am aktivsten, die Zellstreckung hingegen ist in den Nachmittagsstunden am intensivsten. Zu diesem Zeitpunkt wandern die Nährstoffe aus den Blättern in die Wurzeln hinunter. In den Morgenstunden strömen die Säfte von den Wurzeln nach oben in die Pflanze und um 9.00 Uhr morgens erreicht diese Aktivität ihren Höhepunkt.

 

So kann beobachtet werden, dass die Blätter und Stängel im Vormittag eher frisch und saftig wirken, am Nachmittag hingegen eher schlaff und müde. Diesen Rhythmus der Pflanzen, also auch der Rebe, muss der Winzer bei seinen Weinbergsarbeiten beachten.

Biodynamischer Weinbau in Deutschland

Bio-dynamische Weine erkennt man meist an der Kennzeichnung mit dem Demeter-Logo. Demeter steht für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise und zeigt sich als älteste Form der ökologische Landwirtschaft. In Deutschland gibt es 58 Weingüter die dem deutschen Demeter-Verband angehören, weltweit gibt es mehr als 616 Demeter-Weingüter mit mehr als 8.200ha Rebfläche. Es gibt aber weit mehr Winzer die nach bio-dynamischer Philosophie arbeiten, jedoch keine Demeter-Zertifizierung haben.

501 Bio-dyn - The Organic Wine Fair

Durch die Erfolge von herausragenden Winzerpersönlichkeiten wie Nicolas Joly mit seinem Weingut Château de la Roche-aux-Moines an der Loire ist die Biodynamie in den letzten 10 Jahres immer populärer geworden. Die Weinmesse 501 Bio-Dyn hat ein neues Messe Format geschaffen, bei dem ausschließlich Winzer zugelassen sind, die wirklich biologisch und biodynamisch arbeiten. Die Messe im Münchner Verkehrsmuseum Museum (MVG) verzichtet auf eine aufwendigen Messepräsentation. Stattdessen setzt sie den Schwerpunkt auf die Winzer und deren Weine. Namhafte Weingüter wie Chapoutier (Rhône), Dirler-Cadé (Elsass), Nikolaihof (Wachau), Fred Loimer (Kamptal) und Clemens Busch (Mosel) waren vertreten, aber auch viele weitere interessante Weingüter, welche die Messehalle mit 160 Ständen füllten.

Die Großzahl der Winzer kam aus Frankreich, gefolgt von Deutschland, Italien und Österreich. Aber auch internationale Winzer aus Chile, Argentinien und Australien präsentierten ihre Weine.

 

An einem Messetag mit 160 Winzern in einem Raum, braucht man erst einmal eine Orientierung um starten zu können. Zu erst verschlug es mich nach Frankreich, in die Region der Champagne. Das Weingut Champagne Fleury hat mich besonders begeistert mit seinen 5 mitgebrachten Champagner. Besonders der Sonate 2011 Extra Brut mit seiner eleganten Perlage, harmonischen Hefelager und spitziger Säure trat hervor. Auf 15 ha baut das Weingut, die für den Champagner vorgegebenen Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier an.

 

Ein weiteres spannendes Weingut war das Weingut Coulèe de Serrant (Loire) unter Leitung des Weinpapstes der Biodynamie Nicolas Joly. Die seit 1962 bewirtschaften Weinberge bringen Weine der Rebsorte Chenin blanc hervor, die in der ganzen Welt bekannt sind. Beim verkosten der Weine war deutlich die Philosophie des Winzers spürbar: Alle Trauben werden im sehr reifen Zustand geerntet, denn nur so kann die Chenin Traube seinen Charakter zum vollen Ausdruck bringen.

 

Weiter ging die Weinreise nach Italien zu Castello di Tassarolo die Marchesi Spinola (Gavi, Piemont). Das seit 2007 bewirtschaftete Weingut arbeitet seit 2007 nach bio-dynamischen Richtlinien und produziert auf ca. 26 ha 7 verschiedene Weine, von denen 5 gänzlich ohne Sulfide ausgebaut werden. Viele der Weinberge werden mit Hilfe von Pferdekraft bewirtschaftet und die Weine werden nach dem Motto: good, clean and fair produziert. Die Gavi-Weißweine aus der Rebsorte Cortese zeigten sich mit fruchtiger frische und einen nussigen Abgang.

 

Einen Abstecher musste ich natürlich auch zu einen der größten bio-dynamischen Weingütern der Welt machen: Vinedos Emiliana S.A. aus Chile. Mit einer Rebfläche von 900ha, die sich über das gesamte Land zieht, ist es das größte bio-dynamische Weingut in Chile. Die verschiedenen Qualitätsstufen der Weine aus der Rebsorte Carmenere und Chardonnay waren klar erkennbar und auch bei den Rotweinen bekam ich spannende Weine ins Glas.

 

Die bio-dynamischen Weinvertreter aus Deutschland waren vor allem mit der Region Pfalz präsent. Namenhafte Weingüter wie Dr. Bürklin-Wolf, Reichsrat von Buhl, Clemens Busch sowie Batterfeld-Spanier und Kühling Gillot durften natürlich nicht fehlen. Mich begeisterten die Weine von einem 4ha kleinen Weingut in Franken vom Weingut Deppisch. Besonders überzeugte mich der 2012 Frühburgunder, der durch seine Frucht und harmonischen Holzeinsatz besonders Freude machte.

 

 

Dieser Blogeintrag wurde geschrieben von Hanna Neuser, Mitarbeiterin der World of Boutique Wines GmbH.