Winzerkalender Juni

Der Juni geht seinem Ende entgegen und wir bewegen uns auf die Halbzeit des Jahres zu. Während die Tage wieder kürzer und die Nächte länger werden, passiert im Weinberg vieles, was für die Qualität und Menge der Weinernte entscheidend ist. Zwischen Anfang und Mitte Juni hat die Rebblüte in den deutschen Weinregionen begonnen, je nach Sorte und Standort und natürlich den Wetterverhältnissen. Die Wetterverhältnisse zum Zeitpunkt der Blüte sind entscheidend dafür, wie viele Trauben im Herbst geerntet werden können und wie hochwertig diese sind. Insbesondere starker Regen und Hagel während der Blüte sind desaströs für die Reben. Eine weitere Tätigkeit, die für die Winzer im Juni anfällt, ist das Anheften der jetzt sehr schnell wachsenden Triebe und das Säubern des Unterbodens von unerwünschten Pflanzen.

Für die Bestäubung der Rebe ist der Winzer nicht auf die Hilfe der Bienen angewiesen. Da die Rebe zwittrig ist, das heißt die männlichen (Staubgefäße) und weiblichen (Fruchtknoten) Fortpflanzungsorgane in einer Blüte vereint sind, bestäubt sich die Rebe eigenständig. Das Blühverhalten der Rebe kann jedoch stark von dem Wetter beeinflusst werden. Je kälter und nasser das Wetter während der Blüte, desto geringer ist die Bestäubung und desto weniger Trauben werden später gebildet. Auch starke Winde oder zu hohe Temperaturen können das Blühverhalten beeinflussen.

 

Bei einem Gang durch die Weinberge sieht man, wie stark die Triebe in den letzten Wochen gewachsen sind. Durch den Frost im April war die Rebe fast in einer Schockstarre und hat erst länger gebraucht um die Entwicklung weiter zu führen. Durch die Waren Temperaturen im Mai und Juni sind die Triebe nun mit einem rasanten Tempo gewachsen, sodass die Triebe schon bis zu 1,5 Meter hoch sind. Somit war es Anfang Juni höchste Zeit für den Winzer mit dem wichtigen Arbeitsschritt im Weinberg anzufangen, dem Einschlaufen bzw. Heften.

Das Einschlaufen / Heften der Rebe

Der Arbeitsschritt des Einschlaufens beziehungsweise das Heften der Reben gehört zum Laubwandmanagement, welches zum Ziel hat, die Laubwandstruktur zu gestalten und zu optimieren. Mit den Arbeiten an der Laubwandstruktur verfolgt der Winzer das Ziel, die Fotosyntheseleistung zu erhöhen, um die Traubenqualität und –quantität zu steigern. Darüberhinaus wird die Belichtung optimiert, wodurch die Beeren reifer und aromatischer werden und die Gefahr von Pilzkrankheiten reduziert.

Das Einschlaufen beginnt je nach Wachstum der Triebe und Verlauf der Wettergegebenheiten Ende Mai oder Anfang Juni. Wenn die Triebe eine Länge von etwas 50 cm erreicht haben, ist es an der Zeit die Triebe in den Drahtrahmen zu heften . Obwohl die Rebe eine rankende Pflanze ist, reicht ihre Rankkraft nicht aus, um eigenständig am Drahtrahmen hochzuranken. Somit hilft der Winzer nach, in dem er die Triebe in den Drahtrahmen einschlauft, da sich die Triebe sonst zur Seite neigen würden und die Gefahr besteht, dass sie abbrechen. Je nach Erziehungsform (der Art und Weise wie das Wachstum der Triebe gesteuert und unterstützt wird) nimmt das Heften mehr oder weniger Arbeitszeit in Anspruch. In meinem Blog im März habe ich euch einige der verschiedenen Erziehungsformen vorgestellt, unteranderen auch die Spaliererziehung. Bei dieser am weitesten verbreiteten Erziehungsform werden die jungen Sommertriebe hinter das erste Drahtpaar (Heftdraht) eingeschlauft (siehe Abbildung), um eine schmale und aufrechte Laubwand zu erhalten. Daher heißt dieser Vorgang Einschlaufen oder Heften. Diesen Arbeitsschritt muss der Winzer 2-3 mal im Laufe des Rebwachstums durchführen, abhängig von der Rebsorte, der Wuchskraft der Rebe und den Wetterverhältnissen.

a) Heftdrähte als Hilfsmittel für die Laubwandstruktur

Die Heftdrähte können von unterschiedlicher Beschaffenheit sein. Hier unterscheidet der Winzer zwischen festen und beweglichen Drähten. Oft wird das untere Drahtpaar als beweglicher Draht angebracht. Diese werden im Winter nach dem Rebschnitt aus der Befestigung am Pfahl genommen. Nun muss der Winzer beim ersten Durchgang des Heftens nur das Drahtpaar wieder an den Pfahl befestigen. Die Triebe werden somit zwischen das Drahtpaar geklemmt und in eine aufrechte Stellung gebracht. Manche Winzer verwenden auch Heftdrahthalter. Diese werden ebenfalls im Winter oder Frühjahr geöffnet und die wachsenden Treibe können nun von alleine zwischen das Drahtpaar wachsen. Ende Mai oder Anfang Juni schließt der Winzer die Heftdrahthalter und die Triebe sind zwischen den Drahtpaaren geklemmt. Da nicht alle Triebe gleichmäßig schnell und gerade nach oben wachsen, muss der Winzer während des Arbeitsschrittes Triebe einschlaufen, die nicht automatisch zwischen das Drahtpaar geheftet wurden.

 

b) Maschinelles Heften

In größeren Weingütern wird das Heften der Sommertriebe nicht händisch durchgeführt, sondern mit Hilfe automatischer Heftmaschinen. Verbreitet sind Heftmaschinen, die mit Kunststoffschnüren die Triebe aufrecht halten. Der Hefter wird an den Traktor angebaut und mit Hilfe zweier rotierender Förderschnecken oder Aufnahmebändern werden die Triebe nach oben gezogen und aufrecht gestellt. Im gleichen Arbeitsschritt wird rechts und links der Triebe die Kunststoffschnur entlanggezogen und zusammengeklammert, sodass die Triebe wie bei dem oben beschreibenden Drahtpaar zusammengeheftet werden. Bei diesem Verfahren kann bei dem Arbeitsschritt des Heftens Zeit eingespart werden, jedoch müssen die Kunststoffschnüre in einem gesonderten Arbeitsgang vor dem Rebschnitt wieder entfernt werden.

 

Unterstockbearbeitung

Im meinem Blogartikel zu den Weinbergsarbeiten im April habe ich über die Begrünung des Weinberges geschrieben. Die Begrünung in der Rebzeile ist nun seit Aussaat stark gewachsen und kann sogar eine Höhe bis einen Meter zeigen. Damit die Begrünung nicht in die Traubenzone reicht, ist es wichtig den Bewuchs zwischen den Reben einzudämmen. Durch zu hohen Bewuchs unterhalb der Rebstöcke kann es zu Pilzbefalles und einer schlechten Abtrocknen nach Regen kommen, daher legen viele Winzer großen Wert auf die Unterstockbearbeitung.

 

Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Mechanische Unterstockpflege
  2. Chemische Unterstockpflege
  3. Unterstockpflege mittels abdecken

Maschinelle Arbeitswerkzeuge sind meist quer zur Fahrtrichtung an den Traktor angebaut und können die Rebstämme und Pfähle umfahren. Die Ausweichbewegung vor dem Pfahl und den Rebstämmen wird meist durch einen Taster ausgelöst. Der Bewuchs unterhalb der Rebe wird nun mittels eines Schars oder einem Pflug bearbeitet, sodass der Bereich unter der Rebe (Unterstock) frei von Unkraut und Begrünung ist.

 

Bei der Unterstockpflege mittels chemischen Behandlungsmitteln finden Herbizide ihre Anwendung. Vorteilhaft an der Verwendung von Herbiziden ist, dass sie einen langanhaltenden Behandlungserfolg zeigen und nicht wie bei der maschinellen Arbeitsweise 3-5 Mal durchgeführt werden müssen, sondern nur 1-2 Mal. Die Spritzmittel können sowohl mit einer Rückenspritze direkt vom Winzer, wie auch mit Spritzgeräten am Traktor ausgebracht werden.

 

Der Bewuchs unter den Rebstöcken kann jedoch auch mit Hilfe von einer Abdeckung mit organischen Materialien eingedämmt werden. Hierfür wird meinst eine Schicht Stroh oder Rindenmulch unter den Reben ausgebracht. Durch die Abdeckung können sich Unkräuter nicht weiter entwickeln und sterben ab. Diese Methode ist zwar sehr umweltfreundlich, jedoch kosten- und arbeitsintensiv.