Winzerkalender Juli

Im Juli, dem wärmsten Monat des Jahres, hat der Winzer viel zu tun im Weinberg. Er führt eine Reihe von Arbeiten durch, die den Weinreben ermöglichen sollen, möglichst viel Zucker in den Trauben zu speichern und mit ihm die besonderen Aromen des Weines. Dafür müssen die Triebe gekürzt und richtig in die Drahtgerüste eingesteckt werden. Auch muss erdie Pflanzen im Juli vor verschiedenen Pilzerkrankungen schützen.

Schon der Juni hat sich von seiner Sonnenseite gezeigt, mit Temperaturen bis 37 Grad. Trotz der geringen Niederschläge Anfang Juni sind die Reben mit großer Geschwindigkeit gewachsen, sodass wir derzeit 2-3 Wochen dem letzten Jahr voraus sind. Um das Wachstum der Rebe im Zaum halten zu können, hat der Winzer im Juli einiges an Arbeiten im Weinberg zu verrichten.

Blätterentfernung in der Traubenzone

Die Rebblüte hat dieses Jahr relativ früh begonnen und war je nach Sorte schon in den ersten Juni-Wochen vorbei. Nun sind schon erbsengroße Trauben sichtbar und die Vorfreunde auf die süßen Weintrauben kann beginnen. Zu diesem Zeitpunkt gilt es, die Traube so gut es geht zu schützen. Einer der größten Feinde der Traube sind die Pilzkrankheiten. Um diese zu minimieren, ist es wichtig, den Bereich in dem die Trauben sich befinden (Traubenzone), möglichst luftig zu gestallten. Daher geht der Winzer zwei bis 3 Wochen nach der Blüte durch den Weinberg und entfernt Blätter in der Traubenzone. Durch die verbesserten Luft- und Lichtverhältnisse in dieser Zone kann der Pilzbefall minimiert werden. Dieser Arbeitsschritt wird von den Winzern meinst mit dem zweiten Durchgang des Heftens verbunden.

Zweiter Durchgang des Heftens

Im Blogbeitrag ‚Winzerkalender Juni‘ haben wir euch im Detail den Arbeitsschritt des Heftens beziehungsweise des Einschlaufens beschrieben. Die im Juni in den Drahtrahmen eingesteckten Triebe der Rebe haben im Laufe der Wochen einiges an Länge zugenommen, sodass die Triebe nun ein zweites Mal in den Drahtrahmen geheftet werden müssen. Je nach Erziehungssystem zeigen sich Unterscheide im Aufbau des Drahtrahmens. Häufig verbreitet ist die Spaliererziehung mit einem weiteren Drahtpaar, welches sich ca. 70-90cm über dem untersten Draht befindet. Nun heißt es für den Winzer ein weiteres Mal die Triebe einzuschlaufen beziehungsweise zwischen das zweite Drahtpaar zu heften. Dieser Arbeitsschritt erfolgt meist in den ersten Juliwochen, denn gegen Mitte bis Ende des Monats wird ein weiterer Arbeitsschritt fällig, das Gipfeln.

Gipfeln / Wipfeln

Die Triebe haben nun eine Höhe erreicht, die über den Drahtrahmen der Rebanlage hinaus reicht. Beim Gipfeln werden die Triebe in einer Höhe von etwa 15-30 cm oberhalb des obersten Drahtes eingekürzt.

 

Auf dem Bild seht ihr links schon gegipfelte Rebzeilen, rechts sind noch die überragenden Triebe sichtbar.

 

Auch seitlich in die Rebzeile ragende Triebe werden in diesem Schritt gekürzt. Eine Höhe der Triebe von ca. 1,4m gilt als ideale Laubwandhöhe und die Trauben mit genügen Nährstoffen aus der Photosynthese zu versorgen. Im Laufe der Wochen ist ein zweiter oder dritter Gipfel-Schnitt notwendig.

Gründe für das Gipfeln

Unterbindung des Längenwachstums

Seit Anfang der Entwicklung der Triebe im März, ist die Hauptaufgabe der Rebe das Wachstum der Triebe (Längenwachstum) sicherzustellen. Somit stellt die Rebe ihre Ressourcen und Nährstoffe überwiegend für das Längenwachstum zur Verfügung. Da der Winzer jedoch keine Triebe ernten will, sondern Trauben um anschließend daraus Wein machen zu können, wird das Längenwachstum unterbrochen, indem die Triebe ab einer gewissen Höhe gekürzt werden und das Wachstums von Seitentrieben unterbunden wird. Durch das Gipfelns wird die Versorgung von der Rebe mit Nährstoffen in die Spitze der verbleibenden Triebe umgeleitet. Da jetzt weniger Nährstoffe für das Längenwachstum benötigt werden, stehen mehr Nährstoffe für die heranwachsende Traube zur Verfügung.

 

Der Arbeitsschritt des Gipfelns führt jedoch auch dazu, dass die Seitentriebe (Geiztriebe) nun ebenfalls mit mehr Nährstoffen versorgt werden und somit an Länge zunehmen. Zu viele dieser Geiztriebe sind nachteilig, da es zu einer Beschattung der Trauben kommt und Nährstoffe, die für die Traube bestimmt sind, entzogen werden. daher ist der Winzer seit Ende Juni durch die Weinberge gegangen und hat die Geiztriebe entfernt.

Blatt/Frucht Verhältnis

Das Gipfeln und auch die Entwicklung der Geiztriebe hat eine Auswirkung auf das Verhältnis zwischen Blatt und Frucht. Durch die Photosynthese wird in den Blättern Zucker produziert, welcher in die Trauben eingelagert wird. Dieser Zucker ist sowohl für den späteren Alkoholgehalt des Weines, als auch für seine Aromen und den Stil des Weines wichtig. Für die Zuckerproduktion spielt das Verhältnis von Blatt zu Frucht (Traube) eine große Rolle. Ziel des Winzers ist es, dass in der Traube so viel Zucker wie möglich eingelagert wird. Die Zuckerbildung durch das Blatt ist besonders von der Sonneneinstrahlung abhängig: je mehr Sonne, desto mehr Zucker. Dabei spielen die Höhe der Laubwand und die Zeilenbreite eine wichtige Rolle, da bei einer zu hohen oder zu dichten Laubwand sich die einzelnen Rebzeilen gegenseitig beschatten und somit die Zuckerproduktion reduzieren.

Vorgehensweise des Gipfelns

Per Hand

In sehr steilen oder auch sehr kleinen Weinbergen wird der Arbeitsschritt des Gipfels per Hand durchgeführt. Diese arbeits- und kraftintensive Arbeit vollzieht der Winzer mit einer Laubschere oder einer motorbetriebenen Sense. Entlang der Reben schneidet der Winzer die obersten 20-30cm der Triebe ab. Als Faustregel gilt, dass nach dem Gipfeln noch ca. 13-16 Blätter pro Trieb vorhanden sein sollen, das ist das ideale Verhältnis für eine hohe Zuckerproduktion.

 

Maschinell

Für größere Weingüter und Weinberge in flacherem Gelände kann ein Laubschneider, der am Taktor montiert wird, genutzt werden. Bei diesem weniger kraftraubenden Arbeitsvorgang fährt der Winzer mit seinem Traktor zwischen den Rebzeilen und das Laubschneidegerät an der Vorderachse schneidet die zu langen Triebe ab. Vorsicht ist mit den Rebpfählen geboten, welche bei einem zu knappen Schnitt manchmal in Mitleidenschaft gezogen werden.

Pflanzenschutz in der Traubenzone

Zum Glück haben die warmen Wetterverhältnisse im Juni und Anfang Juli den für Reben schädlichen Pilzen – wie Falscher Mehltau und Botrytis – keine guten Entwicklungsbedingungen geboten. Einige Reben sind zwar von Pilzen befallen, aber die Schäden sind wesentlich geringer als im letzten Jahr. 2016 hat der starke und langanhaltende Regenfall im Juni die meisten Winzer in Deutschland in die Verzweiflung getrieben, weil er zu enormen Schäden durch Pilzkrankheiten geführt hat.

 

Bei den Pflanzenschutzmaßnahmen wird im Juli das Augenmerk auf die Traubenzone gelenkt. Die jetzt schnell heranwachsenden Beeren müssen vor Krankheiten geschützt werden, vor allem vor Botrytis. Daher behandelt der Winzer seine Reben in der Traubenzone mit Pflanzenschutzmitteln. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, dass die Blätter in der Traubenzone nicht zu dicht wachsen, sodass die Spitzmittel an die Trauben gelangen können. Auch die Wetterverhältnisse müssen stimmen, denn kurz vor Regenschauern und bei starkem Wind wird der Winzer keine großen Erfolge haben beim Spritzen von Pflanzenschutzmitteln.

 

Zum Thema Botrytis werde ich euch in meinem nächsten Blog mehr erzählen.

 

Wie ist seht hat der Winzer im Monat Juli einiges an Arbeit im Weinberg zu leisten und kann nicht wie viele andere die Sommerferien beginnen. Aber die Arbeit bei warmen und sonnigen Wetter kann auch viel Spaß machen.